Low-Carb-Kartoffeln

Kartoffeln zum Abnehmen: Neue Sorten aus Ebstorf enthalten 30 Prozent weniger Kohlenhydrate

Die Low-Carb-Kartoffel Coronada
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Die neue Kartoffelsorte Coronada, gezüchtet in Ebstorf, enthält 30 Prozent weniger Kohlenhydrate
  • Gerhard Sternitzke
    vonGerhard Sternitzke
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Die Ernährungsgewohnheiten ändern sich. Viele Menschen versuchen, Kohlenhydrate zu reduzieren. In Ebstorf wurde jetzt eine Low-Carb-Kartoffel gezüchtet.

Ebstorf – Dr. Justus Böhm isst für sein Leben gern Kartoffeln. Am liebsten dampfende Salzkartoffeln, wie es in der Heide Tradition ist. Für die Kinder macht er aber auch gerne frische Pommes frites. Die Begeisterung für die Kartoffel kommt ihm im Beruf zugute, denn der 39-jährige Agrarökonom ist Kartoffelzüchter in fünfter Generation. Fünf neue Sorten entstehen jedes Jahr bei Böhm-Nordkartoffel in Ebstorf. Mit den neuesten Knollen, zwei sogenannten Low-Carb-Kartoffeln, reagiert das Unternehmen auf neue Ernährungstrends.

„Sie ist lecker, sieht gut aus, hat eine gute Schale. Wir haben an den Kohlenhydraten, aber nicht am Geschmack gespart.

Dr. Justus Böhm, Mitgesellschafter von Böhm-Nordkartoffel

Low Carb, das bedeutet wenig Kohlenhydrate. Normale Kartoffeln enthalten rund 15 Prozent von dem Sattmacher, die neuen Sorten – Coronada, vorwiegend festkochend, und Montana, festkochend – sind um mindestens 30 Prozent abgespeckt und kommen auf maximal elf Prozent. „Die Kartoffel hat von Natur aus mit Vitaminen und anderen Nährstoffen ein gutes Verhalten“, sagt Böhm. Aufgrund verschiedener Ernährungsratgeber gebe es jedoch eine verstärkte Nachfrage nach Low-Carb-Kartoffeln. Gerade für Menschen in sitzenden Berufen gehe es darum, Kalorien einzusparen. „Als Wirtschaftsunternehmen versucht man, sich am Bedarf des Verbrauchers zu orientieren.“

Mit dem Ergebnis ist der Mitgesellschafter und Mitgeschäftsführer zufrieden. Er hat sich die ovale Coronada, die unter dem Markennamen Linella vermarktet wird, im Supermarkt gekauft. „Sie ist lecker, sieht gut aus, hat eine gute Schale“, berichtet Böhm. „Wir haben an den Kohlenhydraten, aber nicht am Geschmack gespart. Für einen typischen Norddeutschen ist sie allerdings ein bisschen zu fluffig“, räumt er ein. Als Alternative gibt es ja die festkochende Montana, die eher rundlich ist.

Dr. Justus Böhm, Mitgesellschafter und Mitgeschäftsführer von Böhm-Nordkartoffel in Ebstorf

Vermarktet werden die Kartoffeln, die von ausgewählten Landwirten angebaut werden, durch das Lüneburger Unternehmen Europlant. Der Kohlenhydratgehalt jeder Partie wird von neutralen Experten überprüft, denn er kann etwa durch viel Sonne in die Höhe gehen. Bestimmen lässt er sich einfach. „Stärke ist schwerer als Wasser“, erklärt Böhm. Für den Test werden fünf Kilo Kartoffeln unter Wasser gewogen und die Gewichtsabweichung bestimmt.

In zehn Jahren werden fünf neue Sorten gezüchtet

Der Weg bis zur Präsentation einer neuen Sorte ist weit. In den Ebstorfer Gewächshäusern von Böhm-Nordkartoffel werden über 1000 verschiedene Kartoffelsorten miteinander gekreuzt. Die Blüten werden von Hand mithilfe von Wattestäbchen mit Pollen bestäubt und mit einem Tütchen isoliert. So entstehen jedes Jahr durch die natürliche Rekombination der Gene 300 000 neue Sorten, die nun vermehrt und auf ihre Eigenschaften getestet werden. Insgesamt 50 bis 70 Merkmale werden untersucht. Dabei geht es um Geschmack, Nährstoffverwertung und Lagerfähigkeit, aber auch um Resistenzen gegen Kartoffelkrankheiten wie Krautfäule und Nematoden.

Insgesamt 40 Mitarbeiter in Zuchtstation und Labor arbeiten an den Kartoffeln von morgen. Nach zehn Jahren bleiben fünf neue Sorten über. Am Ende entscheidet der Verbraucher.

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