Kammmolch oder Mensch?

Oetzen - Von Walter Manicke. Nicht gerade ernst genommen fühlten sich Oetzens Bürgermeister Bernd Burmester und Gemeindedirektor Thomas Schulz bei der Anhörung anlässlich des Planfeststellungsverfahrens der A 39 in der Uelzener Stadthalle.

Die Einwendungen der Gemeinde wurden mit keinem Wort erwähnt, kritisiert der Bürgermeister. Den Oetzenern verläuft die Autobahntrasse zu dicht an ihrem Dorf vorbei. Am liebsten hätten es viele Bürger, wenn die Autobahn gar nicht gebaut würde. Doch das werde die Gemeinde kaum verhindern können, ist der Bürgermeister Realist. Wenn man die Autobahn schon nicht verhindern könne, dürfe sie aber nicht so dicht am Ort vorbeiführen. Etwa 200 bis 300 Meter vom Dorf entfernt würde die Trasse auf einem rund sechs Meter hohen Wall an den Neubaugebieten vorbei verlaufen. Und, so die weitere Kritik, der Ortsteil Oetzmühle und der Sportplatz würden abgetrennt. Die Trasse sollte auf die Gemarkungsgrenze zwischen Masendorf und Oetzen verlegt werden, fordert die Gemeinde nach wie vor. In seiner Existenz gefährdet sieht sich Landwirt Dennis Bockelmann, denn die Autobahn würde direkt durch seine Ackerflächen verlaufen. Rund 30 Hektar würden verloren gehen, schimpft der Landwirt bei einem Treffen mit dem SPD-Landtagsabgeordneten Jacques Voigtländer. Den hatten Gemeindevertreter und die Bürgerinitiative (BI) "Gemeinde Oetzen gegen die A 39" eingeladen, um auf die Sorgen der Oetzener aufmerksam zu machen und sie wieder mehr ins Bewusstsein der Politik zu rücken. Um zu verdeutlichen, wie dicht die Trasse, die außerdem das Naherholungsgebiet "Absunder" durchschneiden würde, am Dorf vorbeiführt, hatten die Oetzener am späten Dienstagnachmittag zu einer Kutschfahrt eingeladen. Der Landtagsabgeordnete sagte den Oetzenern Unterstützung zu in ihrem Bemühen, die Trasse weiter in Richtung Westen zu verlegen. Das hätte zwar zur Folge, dass die Autobahn südwestlich von Oetzendorf an einem Flora-Fauna-Habitat-Schutzgebiet verlaufen würde, in dem der Kammmolch lebt. Die Oetzener wissen um die Problematik, wollen aber die Interessen des Menschen über die des Naturschutzes gestellt wissen. Das sieht auch Voigtländer so, der den Schutz des Menschen für höherwertig hält. Der SPD-Politiker will sich nun im niedersächsischen Wirtschaftsministerium für eine Änderung der Trassenführung stark machen. Nachdrücklich machte Voigtländer deutlich, es gehe nicht darum, die Planung aufzuhalten, sondern sie zu verbessern. Den Oetzenern empfahl er, mit den Nachbargemeinden Kontakt aufzunehmen, um sie einzubinden in den Wunsch, die Trassenführung zu verändern. "Die Gemeinde", so Bürgermeister Burmester, "will eine für alle verträgliche Lösung, bei der der Mensch im Mittelpunkt steht." Erschienen: 10.05.2007: AZ / TZ / Seite:8

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