Juliane von der Ohe ließ sich drei Sensoren implantieren

Gechipt durch den Alltag

 Juliane von der Ohe sitzt in ihrem Büro vor dem Computer und entsperrt ihn mit einem implantierten Chip.
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„Mich hat Technik seit dem Moment interessiert, als ich 1972 das erste Mal einen sprechenden Computer bei Raumschiff Enterprise gesehen habe“, sagt Juliane von der Ohe. Jetzt hat sich Chips implantieren lassen
  • Lars Lohmann
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Probleme, ihren Schlüssel zu verlegen, hat die Haarstorferin Juliane von der Ohe nicht mehr. Sie muss einfach nur ihre Hand an das Türschloss legen und schon öffnet sich das Schloss wie von Zauberhand. Möglich macht es ein Chip, den sich die Landwirtin implantieren ließ.

„Mich hat Technik seit dem Moment interessiert, als ich 1972 das erste Mal einen sprechenden Computer bei Raumschiff Enterprise gesehen habe“, sagt sie. Seitdem sei sie sehr technik-affin, und entsprechend ist auch das Wohnhaus in Haarstorf ausgestattet. So werden die Thermostate der Heizungen sensorgesteuert, sodass nur dann geheizt wird, wenn es nötig ist, und auch das Licht wird zeitlich gesteuert, was durchaus auch mal zu Problemen führen kann. „Neulich saß ich länger in einer Videokonferenz und dann ging plötzlich das Licht aus“, gibt die 61-Jährige ein Beispiel.

Für Juliane von der Ohe sind implantierte Chips vor allem auch eine sehr sichere Methode, um wichtige Daten aufzubewahren. Neben dem Chip, der ihr die Tür öffnet, hat sie sich noch zwei weitere implantieren lassen – einen, der ihren Computer entsperrt und einen weiteren zum bargeldlosen Bezahlen, der aber zurzeit defekt ist. „Für mich ist es die sicherste Form. Ein Smartphone kann viel einfacher ausgelesen werden“, sagt sie. Um an ihre Daten zu gelangen, müsste man ein Lesegerät unmittelbar an den Chip halten, und auch dann bekomme man allerhöchstens eine Visitenkarte von ihr zu sehen. Der Datenschutz sei für sie ein wichtiger Grund gewesen, sich die Chips implantieren zu lassen. „Natürlich habe ich auch das Problem gehabt, dass ich oft meinen Schlüssel verlegt habe. Aber ich will auch die Hoheit über meine Daten behalten“, sagt von der Ohe.

Daher machte sie sich auf die Suche nach einer Technologie, die das Schlüsselproblem lösen würde. „Es gibt auch Fingerabdrucksensoren für die Türen, aber die Finger von Landwirten sind eigentlich immer dreckig. Da war das keine Lösung.“ Also fiel die Entscheidung für einen Chip, nur fehlte noch ein seriöser Anbieter, der schließlich in Hamburg gefunden wurde. Als sie ihrer Familie von dem Vorhaben erzählte, entschied sich dann auch ihre Tochter für einen implantierten Chip. Ihr Mann trägt seinen Sensor am Schlüsselbund. Das Implantieren könne man sich wie einen Wespenstich vorstellen.

Die Reaktionen auf ihre Implantate fallen unterschiedlich aus. „Sie reichen vom Heiratsantrag bis zu Beleidigungen, vor allem aus der Szene der Querdenker“, berichtet die Haarstorfin. Als die Trennung von Bill und Melinda Gates bekannt wurde, habe sie es sich dann auch nicht nehmen lassen, auf Twitter ironisch zu fragen, wer denn jetzt für sie das Sorgerecht bekomme. Auch viele Menschen, die eigentlich sehr viel moderne Technologie einsetzen, würden zunächst tief schlucken. Dabei sei die Technik hinter den Chips schon lange im Einsatz, so werden Hund, Katze und Co. schon länger gechipt. „Gesundheitlich mache ich mir keine Sorgen, es ist sicher“, sagt Juliane von der Ohe, die sich scherzhaft als Cyborg bezeichnet. Die Skepsis, mit der ihr begegnet werde, könne sich nicht nachvollziehen. „Das ist schon schizophren in Deutschland. Viele geben ohne Weiteres ihre Daten an Google. Haben aber Angst vor einem Chip“, meint sie.

Ideen, was die Chips in Zukunft noch speichern könnten, hat die 61-Jährige auch. Sie möchte als Nächstes ihre digitale Krankenakte so hinterlegen. „So etwas könnte bei medizinischen Notfällen Leben retten“, ist sie überzeugt. Der digitale Impfpass sei eine weitere Möglichkeit, einen Chip sinnvoll einzusetzen. „Ich würde mir wünschen, dass die Leute sich mehr mit dem Thema auseinandersetzen, bevor sie vorschnell Schlüsse ziehen“, sagt Juliane von der Ohe.

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