Jeder mit Jeder

Mann und Frau meine ich. Und hats gefunkt in Ihnen? Was denkt der Hörer beim Hören und der Leser beim Lesen und der Zuschauer bei einem nur etwas längeren Kuss, den zwei Menschen austauschen, dabei sogleich? Richtig: An Bettgeschichten.

An und für sich und so weiter ist Christine das fast absolute Gegenteil einer Klatschbase. Umso ungläubiger reagierte ich, als sie heute aus einem Kreis ebenfalls durchaus hochseriöser Bürgerinnen zurückkam und fragte, ob ich wüsste, wer die neue Geliebte von ….sei (hier folgte ein prominenter Name, der Name einer Person der Zeitgeschichte). Dann nannte sie natürlich den Namen der neuen Frau von…. Ebenfalls ein prominenter Name, ebenfalls einer, mit dem Zeitgeschichte verbunden wird.

Nun ist dies hier keine Gesellschafts-Klatschspalte (und wenn, dann nur aus hehren politischen Gründen), weshalb Namensnennungen als solche für das Nachdenken über Phänomene unwichtig sind. Denken wir also nur nach: Da soll der mit dieser aus der großen weiten Welt also ein „Verhältnis“ haben. Das haben aber eigentlich alle Menschen mit allen, denen sie mal begegnet sind oder noch begegnen werden. Mal gute, mal schlechte, mal nichts sagende. Weswegen Nachrichten, seien sie wahr oder falsch oder komplizierterweise beides, eine Mischung nämlich, derart aufregen, geradezu wie ein Trigger in der Physiotherapie im Körper in uns Sensationen auslösen, nur eben in der Seelenlandschaft – müssen sie erst viele Voraussetzungen erfüllen:

Der und/oder die, die wir so schnell ins Bett stecken (dabei finden so viele Liebesszenen außerhalb statt), müssen beide haben Attraktoren: Die häufigsten sind: 1) Schönheit 2) Geld 3) Macht 4) Klugheit (in dieser Reihung). Bei uns Männern kann Schönheit durchaus ausgeglichen werden durch die Punkte 2 und 3.

Oder aber: Eine oder einer von den beiden Protagonisten, die wir uns in unserer hungrigen Phantasie ins Bett zaubern, sind extrem anders als der andere, also: Schön, reich, mächtig und klug vereinigt sich mit hässlich, arm, „normal“ in Sachen Macht und Klugheit.

Seelische Trigger treffen entweder uns selbst persönlich (Lottogewinn, schlechte Krankheitsdiagnose) oder sie treffen uns, weil sie weit weg von uns sind und wir daher seelenruhig die Unruhe anderer als belebendes Moment in unser langweiliges Leben holen können.

Hans-Helmut Decker-Voigt ist als Schriftsteller mit Übersetzungen in zwölf Sprachen tätig und arbeitet musik- und psychotherapeutisch in Forschung und Praxis. Er ist per E-Mail erreichbar unter Prof.Dr.Decker-Voigt@t-online.de. „Erinnerungen an heute“ finden Sie auch unter az-online.de/kolumnen.

Von Hans-Helmut Decker-Voigt

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