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Im Teich ertrunken? Zwei tote Wölfe im Entsorgungszentrum Borg entdeckt

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Von: Lars Becker

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Im Entsorgungszentrum Borg sind am Donnerstag zwei tote Wölfe im Folienteich der Bohrschlammaufbereitungsanlage gefunden worden. Sie sind mutmaßlich ertrunken.
Im Entsorgungszentrum Borg sind am Donnerstag zwei tote Wölfe im Folienteich der Bohrschlammaufbereitungsanlage gefunden worden. Sie sind mutmaßlich ertrunken. © Lars Becker

Auf dem Betriebsgelände des Entsorgungszentrums Borg sind am Donnerstag zwei tote Wölfe entdeckt worden - und zwar im Folienteich der Aufbereitungsanlage für Bohrschlämme. Ob die Tiere dort tatsächlich ertrunken sind, ist jetzt Mittelpunkt weiterer Untersuchungen.

Uelzen/Borg - Im Landkreis Uelzen sind am Donnerstag (10. März) zwei tote Wölfe aufgefunden worden. Das hat die Kreisverwaltung am Freitagmittag mitgeteilt. „Die Tierkadaver wurden durch Mitarbeiter des Abfallwirtschaftsbetriebes auf dem Betriebsgelände des Entsorgungszentrums Borg in einem Folienteich der Bohrschlammaufbereitungsanlage vorgefunden“, heißt es in einer Mitteilung.

In Abstimmung mit dem Veterinäramt seien das Umweltamt des Landkreises sowie die Wolfsberaterin zur Begutachtung hinzugezogen worden. „Die Tierkadaver befinden sich derzeit in den Räumlichkeiten des Veterinäramtes und werden kurzfristig dem Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin zugeführt, um die exakte Todesursache zu ermitteln“, so der Kreis.

Wasser aus Teich komplett abgelassen

Auf Nachfrage erklärte Kreissprecher Martin Theine, dass man als ad-hoc-Maßnahme das komplette Wasser aus dem Folienteich abgelassen habe. „Wir können bisher nur vermuten, dass die Tiere ertrunken sind. Die Umzäunung des Geländes wird zwar regelmäßig kontrolliert, es ist aber nicht auszuschließen, dass es irgendwo ein Loch gibt oder dass die Wölfe sich unter einem Zaun durchgegraben haben“, so Theine.

„Nach unserer Einschätzung sind die Wölfe ertrunken. Wenn es darüber Gewissheit aus dem Leibniz-Institut gibt, prüfen wir weitere Maßnahmen, damit sich so etwas nicht wiederholt“, sagte Martin Theine weiter.

Glasfaser-Projekt war Anlass für Anschaffung

Die Bohrschlammbehandlungsanlage war bei ihrer Installation im Sommer 2019 deutschlandweit nahezu einmalig. Anlass für die Anschaffung war das Glasfasernetzprojekt des Landkreises. In dessen Rahmen sind zahlreiche Bohrungen zur Verlegung der Glasfaserleitungen erforderlich. Dabei fallen große Mengen an Bohrschlämmen an. Diese dürfen ohne Aufbereitung aber nicht wiederverwendet, verwertet oder beseitigt werden.

Mit der Anlage, die aus mehreren technischen Komponenten und Lagertanks besteht, können Bohrschlämme für diverse Verwertungswege aufbereitet werden. In mehreren Verfahrensschritten werden die Schlämme entwässert und schließlich verfestigt. Alternativ kann mit Hilfe der Anlage auch Flüssigboden hergestellt werden, der zum Verfüllen von Leitungsgräben genutzt oder einer anderen Verwertung zugeführt werden kann.

Durchsatzleistung von etwa 12. 000 Tonnen pro Jahr

Die Anlage steht auf einer flüssigkeitsdichten, gepflasterten Fläche von rund 1200 Quadratmetern und wird mittels selbst produziertem Strom aus der Biogasanlage des awb betrieben. Die Durchsatzleistung beträgt etwa 12. 000 Tonnen pro Jahr und damit weit mehr, als Bohrschlämme aus dem Glasfaserprojekt des Landkreises anfallen.

Die Anschaffung war im Mai 2018 durch den Betriebsausschuss des Landkreises beschlossen worden. Die Kosten für die Anlage betrugen rund 1,4 Millionen Euro. Hinzu kamen etwa 400.000 Euro für den Bau der erforderlichen Infrastruktur vor Ort.

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