Dütt und Datt up Platt

Hörgerät und de Wahl

Dat Ohr is wichtig vör de Minschen. Wat is dor nich alles in. Een Muschel wie in Meer, eene Schneck de nich kruppt, een Gehörgang und Bogengang, kannst aber nich in gahn, een Hommer und een Amboss, kannst nich up schlaan, een Steigbügel kannst nich bruken ton rieden, Trummelfell, Trumpetengang kannst keen Musik mit maken.

Labyrinth kannst dik nich in verloopen. Sogor Finster sind in Ohr, aber ohne Glas.

Hein könn nich richtig mehr hören, Hörgerät, dat aber woll Hein nich, dat wär em to düür. He sä ümmer: „Wat ik nich hör’n sall, dat hör ik und wat ik hörn sall, dat bruk ik oft nich to hörn, könnt je luder snacken.“ Freunde vertelln em wie good nee’n Hörgeräte wär’n, aber he bleew dorbi, dat Geld kann ik spo’rn. Eenes Daag’s aber, as em sein Freund drippt, süht de, dat Hein een ganz olet Hörgerät hett, mit Kabel na’n Ohr hen. „Wo hest denn dat noch her, kummst du dormit kloor, dat giwt dat doch nich mehr“, fragt he. „Prima kam ik doormit kloor“, seggt Hein, „dat is gorkeen richtiget Gerät, bruukt keen Batterie, is blos eene Zigarettenschachtel baben in de Tasch, een Böxenknop in Ohr verbunden mit eenen Schohband.“ „Dat kann doch nich funktionieren“, meen sien Freund. „Doch good sogoor, wenn de Lüüd dat Hörgerät seht, mit dat Band na’n Ohr hen, schnackt alle luuder und denn kann ik alles verstahn“, antwort Hein. Veele de een Hörgerät sik ansschafft, kamt nich dormit kloor, weil se dat öfters rutnehmt und sik nich an dat nee’e Klangbild gewöhnt. Oft rönnt se wedder na’n Hörgerätakustiker probiert nee’e Geräte ut. Dat Beste is ümmer drägen, bet man sik an dat Gerät gewöhnt hett. Wer nich richtig hören kann, sall sich rechtiedig een nee’t Hörgerät besorgen, denn richtig hören is ok Lebensqualität. Man seggt: In de Diktatur dörf man nich alles seggen wat man denkt, in de Demokratie kann man alles seggen wat man denkt, blos keener von de Politiker hört richtig to. Dorümm meen ik, manch een Politiker söll sik een Hörgerät anschaffen, dormit he hört wat dat Volk seggt. Uns Stimm bi de Wahl könnt de kriegen, aber hören möt de ok up uns. 1936, dat glöwt hüt keener, hebbt bi uns in Bämsen 98 % de Nationalsozialistische Partei wählt, aber up een Zettel stünd een Bibelspruch. Hett nie rutkommen wer dat west is, so geheim wärn de Wahlen doch. Dor stünd de Spruch upp, dat hefft de Wahlhelfer domals doch vertellt: „Jesaja 41 Vers 24.“ All de dat wüssen, hefft ehr Bibel ruthalt und naläst. Könnt jü hüt ok naläsen, falls jü noch een Bibel hebbt. Door steiht: „Siehe, ihr seid nichts, und euer Thun ist auch nichts; und euch zu wählen ist ein Greuel.“ To Wahl gahn is Pflicht, denn wer nich hen geiht, dörf ok nich meckern, denn he is je tofreeden. Bi’n wählen brukt jü keen Hörgerät, blos dat Krüz an de richtige Stä maken.

Von Carl Friedrich Bautsch

Carl Friedrich Bautsch ist gebürtiger Groß Hesebecker und schreibt als Heimat- dichter über Land und Leute der Region.

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