„Das Wichtigste ist die Sicherheit“: Die 80-jährige Ria Gläsel ist die erste Nutzerin

Bevensens neue Attraktion, der Rollatorparcours

Ria Gläsel mit dem Rollator an einem Bordstein
+
Ria Gläsel (80) testet, begleitet von Physiotherapeutin Mareike Hoffmann, den neuen Rollatorparcours in Bad Bevensen.
  • Gerhard Sternitzke
    vonGerhard Sternitzke
    schließen

Alle Arten von Hindernissen enthält der 79 000 Euro teure Rollatorparcours, den die Stadt Bad Bevensen am 22. März eingeweiht hat. Die 80-jährige Ria Gläsel machte den Test.

Bad Bevensen – Der Weg ist für Ria Gläsel der Härtetest. Vom ebenen Betonpflaster geht es sprichwörtlich über Stock und Stein. Geduldig stellt sich die 80-Jährige, die seit gut einem Jahr den Rollator nutzt, auf unterschiedliche Untergründe ein. Während die grauen Vollgummireifen über einen unbefestigten Weg, Kopfsteinpflaster und Schotter holpern, schlagen die Lenkerholme in ihren zarten Händen aus. Gut, dass die rettende Bank nicht weit ist. Verschnaufpause für die erste Nutzerin des Bevenser Rollator-Parcours. Jetzt wurde er eingeweiht.

Die 300 Quadratmeter große Anlage ist offen für alle

79 000 Euro hat die Kurstadt in die weit und breit einmalige Anlage am Rand des Kurparks, gleich gegenüber der Diana-Klinik, investiert. Auf 300 Quadratmetern Grundfläche haben die Landschaftsbauer von den unterschiedlichen Untergründen über diverse Bordsteinkanten bis zu Stufen, Gefällestrecke und einer Tür alles eingebaut, was nicht nur Rollatornutzern, sondern auch Menschen mit Rollstuhl, Stock oder Krücke oder anderen Mobilitätseinschränkungen das Leben schwer macht.

Besonders anstrengend für die Rollatornutzerin: Kieselsteine und Kopfsteinpflaster.

„Ich muss sagen, das ist doch ein bisschen anstrengend, auch für die Arme. Das ist eine Herausforderung“, sagt Ria Gläsel, die derzeit eine Reha nach einem Schlaganfall in der Diana-Klinik absolviert. „Ich meide solche Stellen.“ Aber nicht immer geht das, etwa wenn die Wolfsburgerin mit dem Bus zum Arzt muss. Ein Bus steht zwar gestern nicht bereit, aber Schwellen gibt es dafür reichlich. „Fuß draufstellen und hoch“, erklärt Mareike Hoffmann, Leiterin der Physiotherapie an der Diana-Klinik.

Ebenfalls eine große Herausforderung: Türen. Mit einer Hand öffnet Ria Gläsel die niedrige Pforte – und da passiert es: Für einen Sekundenbruchteil lässt sie den Rollator auch mit der anderen Hand los. Weil sie auch die Handbremse nicht angezogen hat, rollt das Hilfsmittel das unmerkliche Gefälle hinab. Für manchen mobilitätseingeschränkten Menschen eine unerreichbare Entfernung.

Wir glauben, dass das sehr gut nach Bad Bevensen passt. Wenn ein Sturz vermieden werden kann, ist das eine hilfreiche Sache.

Detlef Bätz, Klinik-Geschäftsführer

Die Idee für den Rollator-Parcours, der vom Amt für regionale Landesentwicklung mit 37 000 Euro gefördert wurde, hatten Studenten der Lüneburger Leuphana-Universität. Die Kurstadt hat sie aufgegriffen, die Diana-Klinik ihren Sachverstand bei der Gestaltung eingebracht. „Wir glauben, dass das sehr gut nach Bad Bevensen passt“, erklärt Klinik-Geschäftsführer Detlef Bätz. „Für uns ist das sicherlich eine gute Erweiterung. Wenn ein Sturz vermieden werden kann, ist das eine hilfreiche Sache.“

Besonders schwierig: Das Öffnen von Türen.

Durchschnittlich 400 Patienten werden in der Klinik betreut. Dazu gehört häufig das Training mit neuen Hilfsmitteln wie Stock oder Rollator. Der Parcours, der auch mit Erklärtafeln ausgestattet ist, ist aber für jedermann, sowohl für Nutzer als auch für Angehörige, offen – eine neue Attraktion für die Kurstadt, die erst vor Kurzem als erster barrierefreier Ort Niedersachsens ausgezeichnet wurde.

Sogar eine Ampel gibt es auf der nahezu kreisrunden Anlage im Kurpark. Derzeit steht sie auf Dauergrün, weil der Taster ein halbes Jahr Lieferzeit hat. „Gerade bei Eile im Straßenverkehr passieren Fehler“, weiß Physiotherapieleiterin Hoffmann und stellt klar: „Das Wichtigste ist die Sicherheit.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare