„Heide-Suez“ prägt den Landkreis

Heute vor 45 Jahren: Elbe-Seitenkanal bei Uelzen feierlich eröffnet

Die Aufnahme zeigt die Feierlichkeiten am 15. Juni 1976, als der Elbe-Seitenkanal offiziell eröffnet wurde.
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Die Aufnahme zeigt die Feierlichkeiten am 15. Juni 1976, als der Elbe-Seitenkanal offiziell eröffnet wurde.
  • Lars Becker
    VonLars Becker
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Heute vor 45 Jahren ist der Elbe-Seitenkanal (ESK) nach achtjähriger Bauzeit eröffnet worden. Die Wasserstraße zwischen Mittellandkanal und Elbe ist 115 Kilometer lang. Sie schließt die Seehäfen Hamburg und Lübeck ans Netz der Binnenwasserstraßen an. Der Bau kostete insgesamt 1,7 Milliarden DM.

Uelzen – Am 6. Mai 1968 erfolgte der erste Spatenstich, am 15. Juni 1976 wurde die Eröffnung gefeiert: Der Elbe-Seitenkanal (ESK) feiert am Dienstag seinen 45. Geburtstag. Zunächst noch als „Elbe-Pleitenkanal“ oder „Heide-Suez“ abschätzig beurteilt, gehört er für die Menschen und die Wirtschaft längst fest zur Region.

Schiffe können die von Hoch- und Niedrigwasser beeinflusste Elbstrecke zwischen Magdeburg und Lauenburg meiden und fahren stattdessen die Abkürzung durch Allertal und Lüneburger Heide bis in den Bereich der Elbe-Staustufe Geesthacht bei Artlenburg.

80.000 Container pro Jahr per Schiff über den Kanal

Die 53 Meter breite und bis zu 4,50 Meter tiefe Wasserstraße durchquert den Landkreis Uelzen – aus Edesbüttel westlich von Wolfsburg kommend – in nördlicher Richtung, passiert die Samtgemeinde Aue, ehe die Doppelschleusenanlage in Esterholz wartet. Hier geht es 23 Meter hinab und sieben Kilometer weiter nördlich quasi mitten durch die Hansestadt Uelzen mit dem Hafen.

Der Kanal lässt Bad Bevensen und Bienenbüttel westlich liegen. Zweimal wird der ESK auch über die Ilmenau geführt: bei Jastorf sowie zwischen Klein Hesebeck und Klein Bünstorf.

Nach Angaben des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Mittellandkanal/Elbe-Seitenkanal werden inzwischen jährlich rund 80.000 Standardcontainer per Binnenschiff auf dem ESK transportiert. Die Gesamttonnage liegt demnach bei rund neun Millionen Tonnen (Stand 2020) – mit einer weiteren Zunahme der Gütermenge wird in den nächsten Jahren gerechnet, wenngleich die Schiffslängen durch die Schleusenanlagen begrenzt sind. Vor allem Getreide, Futtermittel, Sand, Kies, chemische Erzeugnisse, Düngemittel, Kohle, Mineralöl sowie Metall werden auf Frachtschiffen transportiert.

Der Elbe-Seitenkanal ist aber nicht nur für die Wirtschaft von stetig wachsendener Bedeutung. Er liefert auch Wasser für die Feldberegnung, nimmt Hochwasser auf und erfüllt insgesamt eine wichtige Freizeit- und Erholungsfunktion für die Menschen in der Region.

Wichtig für Wirtschaft, Freizeit und Tourismus

Freizeitsportler und Ausflügler kommen gerne, denn der Kanal ist auf der gesamten Länge an den Seiten geschottert. Auf den Wegen kann man vom Mittellandkanal bis zur Elbe mit dem Fahrrad fahren. Die Doppelschleusenanlage in Esterholz und vor allem das imposante Schiffshebewerk Lüneburg in Scharnebeck gelten zudem als touristische Ziele in der Region.

In Wieren wurde eines von vier Sicherheitstoren gebaut, das im Katastrophenfall das Auslaufen des Kanals auf einem längereren Abschnitt verhindern würde. Den gab es am 18. Juli 1976 – also nur einen guten Monat nach der Eröffnung.

Erinnerungen an den Dammbruch aus dem Juli 1976

Damals ereignete sich bei Lüneburg an einer Unterführung in der Gemeinde Adendorf im Ortsteil Erbstorf kurz südlich des Schiffshebewerks Scharnebeck ein Dammbruch. Gut vier Millionen Kubikmeter Wasser überfluteten etwa 15 Quadratkilometer Umland. Nach 15 Stunden war eine provisorische Absperrung aus Sand, Kies, Steinen und Metall errichtet. Vorher hatte man vergeblich versucht, mit einem Binnenschiff und Bergepanzern der Bundeswehr die Strömung zu beruhigen. Nach der Instandsetzung wurde der Kanal im Juni 1977 wieder für den Verkehr freigegeben.

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