„Hamster wichtiger als der Mensch

Der Bundestagsabgeordnete Henning Otte (CDU) suchte vor der Stadthalle auch das Gespräch mit Autobahngegnern.

Von Thomas MitzlaffUelzen. "Entweder Ihr löst unser Problem mit oder Ihr kriegt keine Autobahn", rief Ulrich Mädge gestern Mittag im Foyer der Stadthalle Uelzens Bürgermeister Otto Lukat zu. "Das sehe ich anders", erwiderte dieser trocken. Lüneburgs Stadtoberhaupt stand mächtig unter Dampf gestern bei der Vorstellung der Vorzugsvariante für die Autobahn39. Denn für Mädge war an diesem Dienstag die "Katastrophe schlechthin" wahr geworden: Die Autobahn soll direkt durch "seine" Stadt laufen, um dann über die Ostumgehung an die Autobahn250 angeschlossen zu werden.

Während Mädge als Befürworter der Westtrasse wetterte, "dass bei dieser Entscheidung Grashalm und Hamster wichtiger waren als der Mensch", zeigten sich Gemeinde- und Stadtvertreter aus dem Landkreis Uelzen nach der Vorstellung des Trassenverlaufs durch das Landesbehörde für Straßenverkehr durchaus zufrieden. "Ich sehe zwar die Situation für Lüneburg auch als problematisch an", erklärte etwa Otto Lukat, "dies darf aber nicht dazu führen, dass die Erschließung nicht erfolgt". Uelzen brauche diese Autobahn dringend.

Man sei "ganz gut davon gekommen", befand auch Bodenteichs Samtgemeindebürgermeister Rainer Kölling. Und das, obwohl der einzige "Knackpunkt" aus Uelzener Sicht in seiner Gemeinde liegt: Die A39 soll durch die Seewiesen verlaufen. Wichtig sei es nunmehr, "dass auch die Querspange B190n direkt südlich von Bad Bodenteich gebaut wird", betonte Kölling. Dann hätte der südöstliche Landkreis eine optimale Anbindung in Richtung Salzwedel und Bundesstraße 4.

Während Bevensens Samtgemeindebürgermeister Knut Markuszewski den Trassenverlauf erst einmal sacken lassen wollte ("Ich habe mir da noch keine Meinung gebildet"), zollte Landrat Dr. Theodor Elster der Straßenbaubehörde ein Lob: "Das ist vernünftig und sauber durchgeplant, der Erschließungseffekt für unseren Landkreis ist außerordentlich gut". Und auch die anwesenden Bundes- und Landtagsabgeordneten hatten nichts auszusetzen: "Eine gute Variante, eine vernünftige Abwägung", lobte Henning Otte (CDU) und sein Parteikollege Jörg Hillmer aus dem Landtag sieht "eine Chance insbesondere für unsere strukturschwachen Bereiche".

Und Ulrich Mädge? Der kündigte schon mal an, den Klageweg beschreiten zu wollen. "Wir wollen mit dem Kloster Lüne Weltkulturerbe werden, da kann man dort doch nicht direkt vorbei eine Autobahn bauen", schimpfte er.

Erschienen: 29.03.2006: AZ / 75 / Seite:3

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