Hamburgs verlängerter Arm?

Im Wittinger Rathaus hofft man, dass am Hafen auch einmal Containerkräne stehen werden.Foto: Archiv

Von Holger BodenWittingen. "In Hamburg denkt man im Radius von 100 Kilometern." Das lernten am Dienstag die Mitglieder des Wittinger Wirtschaftsförderungsausschusses. Bezogen war diese Aussage der Firma Uniconsult, die für Wittingen ein Hafenentwicklungskonzept erarbeitet, auf die Überlegungen, die in der Hansestadt hinsichtlich der Platzprobleme im Containerhafen angestellt werden.

Wittingen mit seinen rund 120 Kilometern bis zur Köhlbrandbrücke wäre aber wohl auch noch im Zielgebiet, wenn es denn zu Auslagerungen kommen sollte. "Die geplante A39 ist ein Pfund, mit dem man wuchern kann", sagte Dr. Jan Ninnemann, Berater bei Uniconsult. Die Konkurrenz-Häfen in Lüneburg und Uelzen seien trotz größerer Nähe zu Hamburg nicht zwangsläufig im Vorteil. Uelzen bringe zwar die bessere Schienenanbindung mit, Wittingen könne dafür günstige Flächenpreise ins Feld führen. Lüneburg, der Hansestadt am nächsten gelegen, verfüge über die geringste "Trimodalität".

Das ist der Fachbegriff für die dreifache Verkehrsanbindung – durch Schiene, zu Wasser und per Autobahn. Bundesstraßen zählen in der Welt der großen Investoren, die sich für Hafenflächen interessieren, offenbar nicht mehr: "Logistikflächen ohne Autobahnanschluss sind in der Regel tot", betonte Ninnemann gegenüber dem IK.

Dem Wirtschaftsförderungsausschuss gab er einen Zwischenbericht zum Hafenentwicklungskonzept, das bis 24. Juni im Wittinger Rathaus vorliegen soll. Am 25. Juni wird das Papier schon gebraucht – dann erwartet Stadtbürgermeister Karl Ridder den niedersächsischen Wirtschaftsminister Walter Hirche zu einem Gespräch über die Wittinger Hafen-Perspektiven.

Klar ist: Angesichts der zunehmenden Engpässe in den Seehäfen sowie steigender Energiekosten wird erwartet, dass die Nachfrage nach Hafen- und Logistikflächen auch in den Binnenhäfen steigen wird. Allerdings, so glauben Ninnemann und seine Kollegen, wird die Not wohl erst in drei bis fünf Jahren so groß sein, dass die Flächensuche konkrete Formen annimmt. Aktuelle Prognosen gehen von einem Umschlagzuwachs im Hamburger Hafen von mehr als neun Prozent aus.

Aufgrund der in einigen Jahren durch den A39-Bau erwarteten Trimodalität sieht man bei Uniconsult Chancen für den Wittinger Hafen als "Extended Gateway" – eine Art verlängerter Arm des Hamburger Hafens mit Verteilerfunktion. Um hier Container umzuschlagen, müsste freilich erst die Infrastruktur geschaffen werden. Entsprechende Kräne zu installieren, wäre die Aufgabe der Osthannoverschen Umschlagsgesellschaft (OHU).

Bevor solche Investitionen getätigt werden, muss eine gewisse Grundlast gewährleistet sein – das sieht man bei der OHU so, und dazu rät auch Ninnemann. Als Engpass für den modernen Containertransport stellt sich nach wie vor das dafür zu knapp bemessene Scharne-becker Schiffshebewerk dar. Die Stadt Uelzen, die an der Entwicklung ihres Hafens ebenfalls interessiert ist, hat wie Lüneburg bereits eine Resolution an den Bund verfasst, in der der Ausbau des Hebewerkes gefordert wird.

Mit dem gegenwärtig im Hafen vorhandenen Potenzial wird sich eine Vergrößerung nicht realisieren lassen, das haben die Berater von Uniconsult schon herausgefunden. Mit einer Ausnahme planten die derzeitigen Nutzer keine Expansion, sagte Ninnemann, in näherer Zukunft drohe vielmehr "mindestens eine Betriebsschließung".

Allerdings gibt es auch gute Nachrichten: Bei Uniconsult wie auch bei der OHU weiß man vom – allerdings noch nicht bestätigten – Vorhaben eines niederländischen Logistikers, am Wittinger Hafen ein Warenlager für Beton-Bauelemente aufzubauen.

Erschienen: 30.05.2008: IK / TZ / Seite:3

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