Wir haben die Wahl

Von Anne Stuke - „Ich habe mich verwählt“, sagte die Frau am Telefon und ecntschuldigte sich, bevor sie den Hörer auflegte. Auch ich verwähle mich manchmal, nicht nur beim Tippen von Rufnummern. Tag für Tag muss ich wählen, auswählen, mich entscheiden. Beim Kauf ist eine falsche Wahl ärgerlich, hat aber meistens keine gravierenden Konsequenzen.

Außerdem lassen sich viele Waren wieder umtauschen. Anders ist das bei grundsätzlichen, richtungweisenden Entscheidungen, zum Beispiel bei der Wahl des Kindergartens, der Schule, des Wohnortes, der Berufswahl oder der Partnerwahl. Wir haben die Wahl auch in Sachen Politik. In diesem Jahr steht eine Reihe von Landtagswahlen ins Haus, denen die Beobachter Folgen für die Bundespolitik zuschreiben. Wir selbst haben die Wahl als Verbraucher: sind wir bereit für Lebensmittel aus ethisch und ökologisch verantworteter Produktion auch höhere Preise zu bezahlen oder nehmen wir hin, dass Begriffe wie „Gammelfleisch“ und „Dioxin in Eiern“ auch künftig die Schlagzeilen füllen? Dass Menschen vor eine Wahl gestellt werden, berichtet schon die Bibel. Gott gibt beispielsweise den Israeliten durch Mose die Anleitung zu einer richtigen Wahl, wenn er ihnen sagt: „Ich lege dir das Leben und den Tod, das Glück und das Unglück vor. Wähle das Leben, damit du lebst!“ (5. Mose 30,19) Das Leben wählen – das heißt für mich, auf das zu achten, was mir gut tut, was mich freier, glücklicher und zufriedener macht; das sagt mir: Es gibt immer die Möglichkeit zur Umkehr und zu einem neuen Anfang. Das Leben wählen – das heißt für mich: In diese Wahl schließe ich auch die Menschen mit und neben mir ein, damit uns gelingt, was wir vor drei Wochen in unzähligen Wünschen ausgesprochen haben: Es soll ein gutes, ein gelingendes und glückliches Jahr werden unter Gottes Segen. Ja, wir wählen das Leben! Anne Stucke ist Pastorin in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Ebstorf.

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