Das Wort zum Sonntag

Ich habe Dich beim Namen gerufen

Liebe Leserinnen und Leser, „Prinzessin tauft Ozeanriesen“, „Rose wird auf den Namen der Kanzlerin getauft“, so oder ähnlich kann man es immer wieder lesen. Der aus der Religion stammende Be-griff der Taufe wird auf Gegenstände bezogen und mit der Namensgebung verbunden.

So auch jüngst in Uelzen, wo eine Puppentaufaktion angekündigt wird. „Geht das eigentlich?“ fragte mich eine Frau, als sie davon las. „Als künstlerisches Happening und mit einer guten Portion Humor, mag das irgendwie gehen“, habe ich ihr geantwortet, „aber mit dem eigentlichen Sinn der christlichen Taufe hat das nicht viel zu tun“. Das fängt schon mit der Namensgebung an.

Denn die Kinder bzw. Erwachsenen, die in der Kirche getauft werden, haben ja ihre Namen schon bei der Geburt erhalten. Als Menschen mit Namen kommen sie zur Taufe, um sich hier im Wasserzeichen der Taufe in die Gemeinschaft derer aufnehmen zu lassen, die zu Jesus Christus gehören. Dabei wird ihnen Gottes Schutz und Beistand zugesprochen.

Damit ist ein weiterer Aspekt der Taufe benannt. Sie bezieht sich nicht auf Gegenstände, denn sie ist ein personales Geschehen, d.h. eine Handlung, die sich auf Menschen und ihr gelingendes Leben als Christen bezieht. In ihr geschieht die Ansprache des Einzelnen durch Gott – dem Täufling ganz persönlich wird in der Taufe der Schutz und die Liebe Gottes für sein Leben zugesprochen. Damit beinhaltet die Taufe das, was die traditionelle christliche Sprache mit der ,Lebensübergabe an Christus’ beschreibt.

Wer getauft ist, gehört zu Christus und trägt damit gewissermaßen seinen Namen. Ich darf mich auf seinen lebenslangen Beistand verlassen. Diese Bedeutungstiefe der Taufe ist trotz hoher Taufzahlen und großer Wertschätzung des Sakraments nicht überall bewusst. Darum hat die Evangelische Kirche in Deutschland das Jahr 2011 zum Jahr der Taufe erklärt. Bei vielen Aktionen, Tauffesten und Veranstaltungen geht es um Bedeutung und Inhalt der Taufe.

Auch hier im Ev.-luth. Kirchenkreis Uelzen steht 2011 die Taufe oft im Mittelpunkt. An Orten wie dem Oldenstadter oder dem Hardausee fanden Gottesdienste mit einer großen Zahl von Taufen statt, oft schließen sich bunte Feste der beteiligten Familien und Gemeinden an. Schüler der BBS II gestalteten zum Jahr der Taufe eine tolle Ausstellung, eine Radtour führte zu besonderen Taufkirchen und mehrere Gemeinden weisen mit bunten Plakatreihen, Elterngesprächsabenden und besonderen Tauftagen auf das Geschenk der Taufe hin.

Gemeinsam ist all diesen Aktionen der Hinweis auf die Gabe der Taufe: Mit dem persönlichen und sinnlich spürbaren Akt der Taufe wird den Täuflingen zugesagt – Du gehörst zu Gott und Gott wird mit Dir gehen auf den Wegen Deines Lebens. Damit eröffnet sich ein lebenslanger Raum der Freiheit, in dem die Getauften leben und in den sie auch nach Phasen der Distanz immer wieder zurückkehren können.

Wie immer man zur Aktion der ‚Uelzener Puppentaufe’ steht, offenbar erreicht sie das Anliegen ihres Initiators Reinhard Schamuhn: Die Taufe ins Gespräch zu bringen. Dabei mögen viele entdecken: Gott ruft uns in der Taufe bei unserem Namen und spricht uns persönlich seinen Segen zu – auf dass wir als Christen vor ihm und mit unseren Mitmenschen unser Leben gut und in Würde führen.

In der Hoffnung, dass diese Botschaft vielen Menschen für ihr Leben wichtig wird und bleibt, freue ich mich auf weitere Gespräche und Aktionen im Jahr der Taufe.

Von Jörg Hagen (Propst im Kirchenkreis Uelzen)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare