Gott blinzelt mir zu

Manchmal blinzelt mir Gott zu. Können Sie sich das vorstellen? Heute früh zum Beispiel: Ich hatte einige Sorgen und konnte nicht mehr schlafen. Also habe ich mich aufs Fahrrad gesetzt und bin im Stadtwald unterwegs, als die ersten Sonnenstrahlen durch die Zweige schienen.

Da war mir, als wenn der Erfinder des Lebens mir durch die Bäume hindurch zublinzelte. Als wenn Gott mir signalisieren will, dass er mich wahrgenommen hat und bereits für mich sorgt. Oder neulich bei der alten Dame in der Seniorenresidenz. Oft reagiert sie kaum, wenn ich sie besuche. Aber als ich dieses Mal komme und mich vorstelle, lächelt sie so auffällig, dass selbst ein Goldzahn zum Vorschein kommt. Diese Freude hat mich stark berührt und wieder war das so ein Blinzeln Gottes, das mich erreicht und mir Hoffnung gemacht hat. Und dann denke ich an die Einkehrwoche, die ich mir einmal im Jahr gönne.

Ich hatte mich in einem „Haus der Besinnung“ eingemietet und habe nach Gott Ausschau gehalten. Als ich langsam durch die Felder schlenderte, entdeckte ich eine zierliche Ackerwinde im Weizenfeld. Sie rankte sich einfach um einen kräftigen Weizenhalm nach oben. Da war es wieder, dieses Blinzeln vom Schöpfer der Natur? Als würde er mir sagen wollen: „Siehst du, die Winde macht es richtig. Sie hält sich fest an einem, der stärker ist!“ Ich weiß: Man muss etwas achtsamer leben als gewöhnlich, um Gottes Blinzeln hinter den natürlichen Ereignissen zu erkennen. Aber dann und wann erreicht es mich. Nicht immer, aber immer öfter.

Die Urlaubszeit wäre ja eine gute Gelegenheit, einmal genauer hinzuschauen und darauf zu achten. Vielleicht entdecken Sie es auch, dieses Blinzeln Gottes. Schön wäre es schon, oder?

Von Rainer Döllefeld

Rainer Döllefeld ist Pastor der Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde, Friedenskirche Uelzen.

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