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Göhrde-Morde: Polizei bekommt gesuchtes Telefonbuch

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Von: Theresa Brand, Lars Becker

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Polizei durchsucht Haus von mutmaßlichem Serienmörder
Auf diesem Grundstück, das Kurt-Werner Wichmann gehörte, wurden menschliche Knochen gefunden © Philipp Schulze

Im Fall der Göhrde-Morde gibt es neue Spuren: Die Beamten der Polizeidirektion Lüneburg haben erfolgreich nach einem Telefonbuch gesucht, das zur Aufklärung beitragen könnte.

Lüneburg/Göhrde – Nachdem die Polizei in der Bevölkerung zur Mithilfe im Fall der Göhrde-Morde aufgerufen hat (siehe Erstmeldung weiter unten), wird den Ermittlern des Sachgebietes „Cold Case“ nun das benötigte Telefonbuch mit den Daten aus dem Jahr 1989 zur Verfügung gestellt.

„Ungefähr 100 Hinweise sind seit Veröffentlichung unseres Aufrufes eingegangen. Neben vielen bereitgestellten Telefonbüchern und CDs haben wir darüber hinaus weitere Hinweise zu unseren Ermittlungen im Verfahren „Göhrde“ erhalten. Wir bedanken uns für das große Interesse, die gewinnbringenden Kontakte und die weiterführenden Gespräche“, so Thilo Speich, Leiter des Sachgebiets Cold Case.

Hinweise kamen von Medienvertretern, diversen Institutionen, einer Nichtregierungsorganisation (NGO) für Computersicherheit, Verlagen und Archiven sowie zahlreichen Bürgern. Weitere Telefonbücher werden vorerst nicht benötigt. Wer darüber hinaus sachdienliche Hinweise zu den „Göhrde-Morden“ geben kann, meldet sich bitte per Mail unter cold-case@pd-lg.polizei.niedersachsen.de.

Erstmeldung vom 14. Juli:

Wird die Polizei jemals beweisen können, dass der 1993 durch Suizid verstorbene Friedhofsgärtner Kurt-Werner Wichmann bei den beiden Doppelmorden von 1989 im Staatsforst Göhrde oder weiteren möglichen Tötungsdelikten im Raum Lüneburg oder auch im Bereich Karlsruhe einen Mittäter oder Mitwisser hatte? Die Kriminalbeamten des Sachgebiets „Cold Case“ bei der Polizeidirektion Lüneburg ermitteln seit Mai 2019 wieder im Zusammenhang mit den „Göhrde-Morden“.

Aktuell wird die Bevölkerung um Mithilfe gebeten. „Für die Bearbeitung einer besonderen Spur wird ein funktionsfähiges, digitales Telefonbuch aus dem Jahr 1990 oder eine vollständige, analoge Ausgabe aus dem Jahr 1989 benötigt, welche mindestens die Daten des Bundeslandes Hamburg umfasst“, so die Polizei.

„Die Ermittlungen sind noch lange nicht abgeschlossen“

Die Telefonbücher sollten helfen, „ganz bestimmte damalige Telefonnummern überprüfen zu können“. In einem Bundes- und einem Stadtarchiv sei man zwar auf ein solches Telefonbuch gestoßen, dieses dürfe jedoch nicht beschädigt werden, was allerdings im Rahmen einer „notwendigen Digitalisierung für fehlerfreie Recherchen“ unabwendbar sei. Wer ein solches Telefonbuch besitze, solle sich an die Polizei wenden.

Julia Grote, Pressesprecherin der Polizeidirektion Lüneburg, sagt im AZ-Gespräch: „Die Ermittlungen sind noch lange nicht abgeschlossen, wir möchten diese Spur aufarbeiten und sind auf das alte Material angewiesen. Wir ermitteln gegen einen mutmaßlichen Mittäter aus dem nahen Umfeld des Kurt-Werner Wichmann. Dieser wird als Beschuldigter geführt und lässt sich anwaltlich vertreten.“ Dabei soll es sich um den zehn Jahre jüngeren Bruder Wichmanns handeln.

Entscheidende Hinweise zur Aufklärung der Göhrde-Morde ergaben sich aus dem Fall der 1989 verschwundenen Birgit Meier aus Lüneburg. Deren Bruder Wolfgang Sielaff – pensionierter Chef des LKA Hamburg – ermittelte privat und fand 2017 in einer Grube in Wichmanns einstigem Haus die Knochen seiner Schwester.

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