Kirchengemeinde Bevensen-Medingen will neue Erdenbürger begrüßen

Glocken läuten für Neugeborene

Der Turm der Dreikönigskirche mit Gebets- und Sterbeglöckchen
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In der Bevenser Dreikönigskirche (Bild) und der Klosterkirche Medingen sollen die Glocken für Neugeborene geläutet werden.
  • Gerhard Sternitzke
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Verstorbenen läutet das Totenglöckchen. Warum sollten nicht auch die Neugeborenen mit einem Glockenläuten begrüßt werden? Dieses Angebot macht die Gesamtkirchengemeinde Bevensen-Medingen jetzt jungen Eltern.

Anna-Lena Wollschläger, in der 35. Woche schwanger, freut sich auf das Glockenläuten für ihr Kind.

Bad Bevensen/Medingen – Anna-Lena Wollschläger, in der 35. Woche schwanger, ist die Erste, die das neue Angebot nutzen will. „Toll, dass es das gibt. Ich finde es schön, dass dann ganz Medingen weiß: Da ist ein Kind geboren“, sagt die 32-Jährige, die seit zwei Jahren in Medingen lebt. Kirchenmitglied ist die Bürokauffrau nicht, aber das Kind soll wie ihr vierjähriger Sohn getauft werden.

Als gläubig würde sich die junge Mutter, die in Holdenstedt aufwuchs, nicht bezeichnen, aber die kirchlichen Traditionen sind für sie etwas, an dem man sich festhalten kann. Früher hat sie auch im Kindergottesdienstteam und im Jugendkreis mitgearbeitet und im Gerdauer Gospelchor gesungen.

Die Eltern haben die Möglichkeit, ihrer Freude Ausdruck zu verleihen, vielleicht einer gewissen Dankbarkeit gegen Gott.

Johannes Luck, Pastor in der Gesamtkirchengemeinde Bevensen-Medingen

„Da Kirche Lebensbegleitung vom Anfang bis zum Ende macht, wollen wir ein Läuten für die, die auf der Erde ankommen, anbieten“, erklärt Pastor Johannes Luck. „Die Eltern haben die Möglichkeit, ihrer Freude Ausdruck zu verleihen, vielleicht einer gewissen Dankbarkeit gegen Gott.“ Die Gefühle junger Eltern kann der Vater einer dreijährigen Tochter gut nachvollziehen. „Man möchte herausposaunen, dass man Vater oder Mutter geworden ist“, weiß der 34-Jährige. „Ich kann mich noch erinnern, als meine Tochter geboren wurde. Ich war total übermüdet und wollte jemandem meine Freude mitteilen.“

Früher durften die Väter in Medingen selbst für ihr Kind läuten

Die Idee ist gar nicht so neu. Früher gab es in Medingen die Tradition, dass die Väter selbst die große Glocke im Turm der Klosterkirche läuten durften. Seit der Sanierung ist das nicht mehr möglich. Der Läutestrick in der Vorhalle hat ausgedient. Heute braucht die Küsterin nur noch den Schalter der elektrischen Läuteanlage zu betätigen. Die Bevenser Dreikönigskirche weist als Besonderheit zwei kleine Glocken am Turmhelm auf: Die eine ist das Gebets-, die andere das Sterbeglöckchen, das zukünftig auch ein Geburtsglöckchen sein wird.

Angebot ist nicht an die Kirchenmitgliedschaft gebunden

Anlässe für den Einsatz der Glocken sind den Gemeinden der evangelischen Landeskirche freigestellt. „Letztlich ist das Glockenläuten ein Lebenssignal, das die Verbindung mit Gott ausdrückt“, erläutert Pastor Luck. Bei dem Angebot macht die Gesamtkirchengemeinde – anders als etwa bei Beerdigungen – keinen Unterschied zwischen Kirchenmitgliedern und kirchlich ungebundenen Eltern. Auch die Taufe ist nicht mehr an die Mitgliedschaft der Eltern gebunden.

„Kirche ist auch über die Mitgliedschaft hinaus an alle Menschen gerichtet“, stellt Pastor Luck klar. Das sei schon in der Bibel angelegt. Hier könne die Kirche zeigen, dass sie das Leben der Menschen in guten und schlechten Tagen begleite.
Um 12 Uhr wird traditionell für Verstorbene geläutet. Erklingen die Glocken zukünftig um zehn Uhr, wird ein neuer Erdenbürger begrüßt.

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