Globuli u. a.

Hans-Helmut Decker-Voigt

Herbst, das bedeutet Erkältungen. Mindestens. Es kommt die Hoch-Zeit der Medikamente. Z. B. der Globuli. Reden wir aber erstmal über ein anderes Medikament: Wick Vaporup. Ja, diese Salbe auf die Brust, die zunächst mehr in der stechenden Nase gefühlt wird.

Sie wendet der Hausarzt der Familie Khan an gegen Schnupfen, Husten, Sinusitis, Bronchitis und andere „itis“, die bekanntlich alle Entzündungen sind. Ferner ist Wick-Vaporup gegen Lungenentzündung, Emphysem, gegen die meisten Kinder – und Frauenkrankheiten. So steht es im Roman „Gottes kleiner Krieger“ aus Indien von Kiran Nagarkar. Noch doller, noch breitspektraler wird in der Familie mit dem roten Schlauch als Einlauf in den Dickdarm behandelt: Gehirntumore, Lepra, Schlaflosigkeit, Stomatitis, Haarausfall,m Hepatitis A, B, C, D und E. Es gibt schon tolle Medikamente!.

Mich erinnert das an Globuli. Das sind diese winzigen Körner, die in der Homöopathie von Ärzten für Naturheilkunde und Heilpraktikern empfohlen werden, die mir bei uns zuhause von begeisterten Töchtern bei Anflügen von Erkältungen bis zu schweren Wundheilungen geradezu hinterhergetragen werden.

Noch finde ich die Winzlinge in meiner Handhöhlung ohne Lupe. Ich zähle sie sorgfältig und schlucke mit grundsätzlich vorhandenem Vertrauen auf und Glauben an die positive Wirkungen. Schließlich gilt das für nahezu alle Medikationen unserer Heiler: Bei jedem Medikament wirkt der Glaube, unser Gefallen daran mit. Sie wissen ja – Placebo (lat.= gefallen, gefällig sein).

Jetzt lernte ich weitere Anwendungsgebiete für die weißen Kügelchen, die natürlich unterschiedliche Konsistenzen haben und deshalb gezielt wirken. In der Schweiz hörte ich jetzt, wie jemand bei Durchfall empfahl, denselben wieder zu festigen mit eben den weißen Kugeln. In derselben Gruppe schwor jemand auf das Gegenteil: Verstopfung wird mit demselben geheilt.

Aber warum sie alle gleich heißen müssen - „Globuli“? Wo doch das Innere der weißen Kügelchen totsicher, nein, lebenssicher ebenso unterschiedlich sein dürfte wie die Kräuter im St. Gallener Klostergarten. Schließlich – berichtete der Präsident des dortigen Apothekerverbandes – basiert ein ganzer Teil heutiger Pharmazie auf den Forschungen dieser mönchischen Klostergärtner.

Bei normalen Tabletten gibt’s die Angaben, woraus sie bestehen und ausführliche Beipackzettel, je länger je bedrohlicher. Bei Globuli gibt’s keinen, daher keinerlei Bedrohung. Vielleicht tragen sie deshalb alle denselben Namen, weil der so zärtlich klingt wie geheimnisvolle Kosenamen aus der Literatur: Miramandi, Gigolomini, Isbüdts… Man vergleiche: Wick-Vaporup – sowas phonetisch Brutales! Egal: Bleiben Sie gesund mit uns ohne was auch immer und falls Sie Geburtstag haben: Nehmen sie sie ernst: Die Wünsche für Ihre Gesundheit!

Hans-Helmut Decker-Voigt ist als Schriftsteller mit Übersetzungen in zwölf Sprachen tätig und arbeitet musik- und psychotherapeutisch in Forschung und Praxis. Er ist per E-Mail erreichbar unter Prof.Dr.Decker-Voigt@t-online.de. „Erinnerungen an heute“ finden Sie auch unter az-online.de/kolumnen.

Von Hans-Helmut Decker-Voigt

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