Wochenrevue

Geburtstagsfeier ohne Geburtstagskleid

Die Stadtverwaltung, der Verein Bahnhof 2000 Uelzen und viele Firmen legen sich mächtig ins Zeug. Sie wollen Uelzens Vorzeigeobjekt feiern – den Hundertwasser-Bahnhof. Doch leider wird es nicht das Geburtstagskind selbst sein, das am meisten strahlen wird.

Die Deutsche Bahn gehört zu den Veranstaltern des Festes – und hat offensichtlich verschlafen, dass zu einem Fest auch ein hübsches Geburtstagskleid gehört. Mit einem großen Aufgebot an Ständen, gastronomischen Angeboten, Spielen und Führungen durch die „Sehenswürdig“keit wird am 8. Mai von 11 bis 17 Uhr das Beste aus der Sache gemacht. Sogar eine Geburtstagstorte ist für den Sonntagnachmittag angekündigt.

Und auch Uelzens Kinder können ihren Teil zum Geburtstagsumzug beitragen, mit einer selbst gebauten Lokomotive. Kein Gast wird am Bahnhof ankommen, ohne das zehnjährige Bestehen wahrzunehmen – und ohne die Netzstrümpfe an den Säulen zu bemerken. Seit zehn Jahren ist klar, wann das große Denkmal nullen wird. Und auch, dass es von Zeit zu Zeit ein wenig Pflege, Investition und die passenden Handwerker braucht, um den Glanz zu erhalten. Der zugehörige Verein hat schon eigenhändig die hässlichsten Stellen verschönert, die Deutsche Bahn ist an der Reihe.

Seit zwei Jahren ist klar, dass zum Beispiel die Säulen eine Sanierung nötig haben. Doch von Winter zu Winter platzen weitere Kacheln ab, nun werden die Arbeiten noch grundlegender sein müssen. Und spätestens seit dem vergangenen Jahr ist klar, dass die Gastronomie im Hundertwasser-Bahnhof für ihren guten Ruf kämpfen muss. Wenn das Interesse für eine Stadt geweckt werden soll, dann muss es bei der Ankunft passieren. Wenn ein Fahrgast einen einstündigen Aufenthalt am Bahnhof hat und diesen nicht mit einem Kaffee im Stehen verbringen muss, sondern eingefangen von der Hundertwasser-Stimmung in einem Restaurant, könnte sich schließlich das Gefühl entwickeln, noch mehr vom Ort entdecken zu wollen.

Ein Nachfolger des unzuverlässigen „Arte“-Pächters steht so gut wie fest. Jetzt ist wichtig, dass die Arbeiten in dem Restaurant sich nicht weiter verzögern. Wer wie die Stadt ein touristisches Programm anbietet, braucht Planungssicherheit, wenn er sich nicht blamieren will. Man muss den Gästen eine Möglichkeit zum Essen nennen und ihnen sagen können, wann ihnen der Bahnhof wieder in seinem vollen Glanz gezeigt werden kann. Da hat die Bahn einige Fragen zu beantworten.

diane.baatani@cbeckers.de

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