Geborgen und aufgehoben – in jeder Zeit

Johannes Dieckow

„Zeit ist Geld“, sagte man im Geschäftsleben. Wer zu spät kommt oder eine Chance verpasst, der hat das Nachsehen. Die Zeit rast davon und man kann sie nicht zurückholen. Wir reden vom Zahn der Zeit, wenn wir meinen, dass Dinge mit der Zeit brüchig werden.

Und in manchen Augenblicken wird uns oft schmerzlich bewusst: „Kinder, wie die Zeit vergeht!“ Mir fällt auf, dass alle diese Zeitwörter eines gemeinsam haben. Sie erwecken den Eindruck als würde die Zeit gegen uns arbeiten. Man könnte denken, die Zeit wäre unser Feind, weil sie immer vor uns davonläuft. Die Zeit geht unaufhörlich voran. Manchmal wird einem ganz unvermittelt klar, dass sie schon vergangen ist. Hat man denn ihren regelmäßigen Taktschlag nicht gehört? Auch die Hochzeiten des Lebens sind oft nicht unbeschwert. Wenn man den Urlaub eigentlich noch genießen könnte, denkt man schon daran, dass bald der Alltag wieder kommt. Die Zeit ist wie ein Gast, über dessen Besuch man sich gar nicht richtig freuen kann, weil man weiß, dass er nicht lange bleibt. Je länger man die Liste von Zeitwörtern fortsetzt, umso deutlicher wird: Die Zeit arbeitet gegen uns. Zumindest empfinden wir das so.

Das muss aber nicht so sein. Die Bibel redet ganz anders von der Zeit. Für die Bibel ist die Zeit ein Geschenk. Zu allererst mal etwas Positives. Egal ob wir unsere Zeit im Büro oder im Haushalt verbringen oder im Liegestuhl in der Sonne. Die Zeit, die wir gerade jetzt verbringen, ist uns geschenkt. Sie lässt uns Anteil haben an dem Leben in Gottes Schöpfung. Sie ermöglicht Erfahrungen und Begegnungen. Sicherlich stellt jede Zeit uns vor eine Aufgabe. Auch die Ruhepausen! Aber das ist ja auch gut so. So hat jede Zeit ihre eigene Bedeutung. Es gibt eine Zeit zum ruhig sein und eine Zeit zum reden. Eine Zeit Wäschezusammenlegen und eine zum Spazierengehen. Eine Zeit sich gehen zu lassen und eine Zeit sich zu konzentrieren. Der erste Schritt, sich mit der Zeit zu versöhnen ist, zu erkennen, was sie gerade von uns fordert. Nicht gegen die Zeit zu arbeiten, sondern mit ihr. Erst wenn man erkennt, wozu diese Zeit gerade da ist, kann man sie als erfüllt und wertvoll erleben. Egal ob am Computer oder in der Badewanne.

Ich möchte den Zeitwörtern unserer Alltagssprache eines entgegenhalten: Im 31. Psalm heißt es: „Herr, meine Zeit steht in deinen Händen.“ Wer so spricht, der ist sich darüber bewusst, dass Gott die Zeit gemacht hat. Sie hat deshalb einen guten Sinn und ein Ziel. Wir müssen keine Angst haben, dass die Zeit uns davonläuft, denn sie ist ja immer da. Ich erkenne, dass ich in jeder Zeit geborgen und aufgehoben bin. An diesem Ort und in dieser Zeit bin ich richtig, denn Gott hat mich gerade hierhin gestellt. Er lässt mich hier auch nicht allein. Es gibt keine sinnlose Zeit, wenn man Gott in der Zeit erkennt und sich ihm nahe weiß.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen guten Sonntag.

Johannes Dieckow ist Pastor in Bad Bevensen.

Von Johannes Dieckow

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare