Bilanz und Ausblick des Wetterexperten

Frühsommer mit Schönheitsfehlern - aber der Juni legt an Wärme zu

Schon im Mai zeigte sich der Frühsommer auch im Landkreis Uelzen zumindest tageweise von seiner besten Seite.
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Schon im Mai zeigte sich der Frühsommer auch im Landkreis Uelzen zumindest tageweise von seiner besten Seite.

Unser Wetterexperte Reinhard Zakrzewski zieht hier seine Mai-Bilanz und blickt voraus auf den Juni. Positive Erkenntis: Es wird deutlich wärmer.

Uelzen – Hoher Luftdruck erstreckt sich von den Azoren bis nach Nordeuropa. Über Deutschland hat die Schönwetterzone einen weichen Bereich, in dem sich Gewitterlinien tummeln. Durch die Sonneneinstrahlung werden sie in der schwülwarmen Luft am Nachmittag aktiv. Zwischen Weser und Elbe können sie bis Sonntag örtlich kräftige Schauer und Gewitter auslösen.

Die Gebiete nordöstlich der Elbe bleiben voraussichtlich außen vor. Ansonsten zeigt sich der Frühsommer von seiner besten Seite. Bei schwachen bis mäßigen östlichen Winden gibt es bis Dienstag Sonne satt und Höchstwerte um 25 Grad. Tiefstemperaturen um 15 Grad halten die Nächte lange lau. Zur Wochenmitte könnte ein Tief Schauer und Gewitter mitbringen. Doch die Temperaturen bleiben wohl durchweg auf frühsommerlichem Niveau. Gut möglich, dass der Juni danach wieder einen ordentlichen Zacken zulegt. Aus klimatischer Sicht spricht allerdings die Schafskälte dagegen, die gewöhnlich zwischen im zweiten Junidrittel ansteht.

Tief „Eugen“ sorgt für kräftige Sturmböen

Zu kühl, zu nass, zu wenig Sonne: Grund für den übellaunigen Mai war ein umfangreicher Tiefdruckkomplex über Nordeuropa. An seinem Südrand riss die Zufuhr kalter und wolkenreicher Atlantikluft nach Norddeutschland nur selten ab. So erlebten wir den kühlsten Mai seit 2010. Wetterturbulenzen gab es vor allem im ersten Monatsdrittel. Gleich am 4. Mai fegte das für die Jahreszeit ungewöhnlich kräftige Tief „Eugen“ mit schweren Sturm-, vereinzelt sogar orkanartigen Böen über die Region hinweg. Amelinghausen meldete in der Spitze 102 km/h, Uelzen 107 km/h und Faßberg sogar 109 km/h.

Anschließend machten die Temperaturen Bocksprünge. Nach der kältesten Nacht des Monats mit verbreitetem Boden- und örtlichem Luftfrost am 8. Mai sorgte subtropische Luft aus Spanien für einen in seiner Rasanz einmaligen Temperaturanstieg. Schon zwei Tage später wurden zwischen Heide und Elbe die Monatshöchstwerte von rund 28 Grad gemessen. Danach ging es mit den Temperaturen wieder steil bergab. Zwar fielen die Eisheiligen diesmal aus, doch die Temperaturen blieben – abgesehen von den letzten drei Maitagen – auf Tauchstation. Für den reichlichen Regen sorgten sage und schreibe zwölf wetteraktive Tiefs über Deutschland. Ein Mairekord: 24 bis 27 Tage mit messbarem Niederschlag (mindestens 0,1 Millimeter).

Nach einem relativ milden März endete das Frühjahr durch stabile Nord- bis Nordwestwinde im April und Mai erstmals seit 2013 zu kühl. Der Niederschlag lag in der Regel etwas über, die Sonne leicht unter dem Soll.

Noch ein Wort an die Klimaskeptiker: „Der Klimawandel ist keinesfalls abgesagt.“ Durch einen verschobenen Jetstream hat uns Russland die Frühjahrshitze diesmal weggeschnappt. Von Osteuropa bis Westsibirien wurden im Mai Temperaturrekorde von 30 bis 35 Grad, lokal sogar bis 40 Grad aufgestellt!

Das Frühjahr in Uelzen

Mitteltemperatur: 7,4°C (Abw. -1,4 Grad)

Niederschlag: 174 mm (119% v. Soll)

Sonne: 438 Std. (89% v. Soll)

Der Mai in Uelzen im Vergleich zum Klimamittel (1981-2010)

Monatsmittel: 11,1°C (Abw. -2,1 Grad)

Maximum: 27,5°C (10. Mai)

Minimum: -0,2°C (8. Mai)

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