Frei sind wir...

. . . Ja zu sagen. Oder etwa nicht?.

Was als Selbstverständlichkeit erscheint, nämlich frei zu wählen zwischen Ja und Nein, ist so selbstverständlich nicht. Denn der Mensch ist längst nicht so frei, wie er denkt. „Ich bin so frei!“ ist ein Werbeslogan für Kaffeepulver und keine Beschreibung der menschlichen Realität. Unser Leben ist abhängig von Erziehung, Bildung, sozialem Umfeld und vielem mehr. Und jeder Mensch ist geprägt von seinen Genen und Erbeigenschaften. Bleibt also noch das Denken: Sind die Gedanken frei?

Genau an dieser Stelle wird in der modernen Neurobiologie heftig diskutiert. Experimente zeigen, einige Sekunden vor (!) dem Bewusstwerden einer Entscheidung laufen neuronale Prozesse im Gehirn ab. Wie ist das nun zu interpretieren? Manche Neurowissenschaftler vertreten die These, der freie Wille des Menschen sei eine bloße Illusion. Das Empfinden, aus freien Stücken heraus Ja gesagt zu haben, sei nur eine Sinnestäuschung. Wie immer diese Diskussion unter Wissenschaftlern ausgehen mag, die Bibel stellt die Freiheit des Menschen noch ganz anders in Frage. Der Apostel Paulus beschreibt nicht nur auf neuronaler Ebene, sondern viel tiefgründiger das Problem der Willensfreiheit: „Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht!“(Römer 7). Diese Erfahrung wird jeder Mensch nachvollziehen können: Oft genug widerfährt es uns, dass wir Gutes wollen, am Ende aber doch Böses herauskommt. Es gehört zum Menschsein, dass mir – so sagt Paulus – „der ich das Gute tun will, das Böse anhängt.“ Der Mensch ist nicht von Natur aus frei dazu, zum Guten Ja zu sagen und es auch zu tun, sondern – so sagt es das lutherische Bekenntnis – er ist von Geburt an „voll Neigung und Lust zum Bösen und hat von Natur keinen wahren Glauben an Gott“.

Über dieses Phänomen der menschlichen Unfreiheit nachdenkend, seufzt der Apostel Paulus: Wer wird und kann mich daraus befreien? Seine Antwort ist knapp und präzise: „Gott sei Dank durch Jesus Christus, unsern Herrn!“

Wer zum Glauben an Jesus Christus gekommen ist, der ist befreit. Der kann durch seinen Glauben an Jesus Christus sagen: „Ich bin befreit!“ Neu geschaffen von Gott, mit Lust und Liebe Ja zu sagen zu Gott, zum Mitmenschen und zum Guten.

Andreas Eisen ist Pastor der Christus-Gemeinde Nettelkamp – Selbständige Ev.-Lutherische Kirche.

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Von Andreas Eisen

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