Fledermaus gibt den Ausschlag

„Begleitende Maßnahme“: Lärmschutz an einer Autobahn. Foto: pixelio.de

Wittingen/Uelzen. Wer es schon immer vermutet hat, der wird nun bestätigt: Bei der Planung der A39 spielen naturschutzfachliche Belange eine größere Rolle als das Schutzgut Mensch. Das hat der Chef der Lüneburger Straßenbaubehörde, Dirk Möller, bei einem Pressegespräch in Holdenstedt gegenüber Medienvertretern eingeräumt.

Möller und seine Mitarbeiter suchen sich diese Prioritätensetzung nicht aus: Aspekte wie Artenschutz müssen vorrangig behandelt werden, weil sonst die Planung juristisch angreifbar wird. Hingegen gelte nach gängigen Vorschriften die Auffassung, dass die Folgen für Menschen an der Trasse erst an zweiter Stelle kommen, weil sie „durch begleitende Maßnahmen erträglich gestaltet“ werden können. Damit ist beispielsweise gemeint, dass Autobahnlärm durch Schutzwände oder Schallschluckfenster abgemildert werden kann.

So war laut Möller bei der Entscheidung gegen einen Tankstellen-Standort im Malloh das dortige Vorkommen von Fledermäusen ausschlaggebend – für die Planer ein „fachliches Kriterium“, dem sie Priorität einräumen müssen. „Keine Rolle“ hätten Stellungnahmen von VW wegen der benachbarten Teststrecke gespielt, und auch die für den abgeholzten Wald erforderlichen Ausgleichsmaßnahmen seien „sekundär“.

Ob in der Frage des Raststätten-Standortes Wollerstorf das letzte Wort gesprochen ist, konnte Möller am Freitag noch nicht sagen. Eventuell könnten die Wollerstorfer tatsächlich von einer Verschiebung der Tank- und Rastanlage im Nachbarkreis Uelzen profitieren. Dort gibt es ein breites Bündnis von Bürgern und Politikern, die eine Verlegung von Hohnstorf nach Rätzlingen bei Uelzen fordern. Möller rechnet mit einem Ergebnis im Mai oder Juni.

Wird verschoben, dann muss auch die Wittinger Raststätte nach Süden rücken – und wäre dann wohl keine Wittinger Raststätte mehr. „Der neue Standort wäre sicher nicht der Malloh“, sagt Möller mit Blick auf das Ausschluss-Kriterium Fledermaus.

Von Hohnstorf bis Rätzlingen sind es 24, von Wollerstorf zum potenziellen Platz am Testgelände 16 Kilometer. Da die Planer auf die Abstandsregeln im überörtlichen Rastplatz-System Rücksicht nehmen müssen, würde ein neuer Standort im Landkreis Gifhorn wohl noch weiter südlich liegen – und damit außerhalb des Stadtgebietes, vielleicht in der Samtgemeinde Brome.

Nicht Neues gibt es aus Möllers Sicht bei der Parallellage der Autobahn zum Kanal im Bereich Wollerstorf/Gannerwinkel. Die Planer halten am Abstand von rund 100 Metern fest. Es bleibe abzuwarten, welche Auswirkungen der politische Gegendruck haben wird.

Für alle sieben Abschnitte der A39 laufen derzeit die Detailplanungen. Für die Abschnitte 5 (Bad Bodenteich-Wittingen) und 6 (Wittingen-Ehra) rechnet man in Lüneburg damit, dass Mitte 2012 der detaillierte Vorentwurf zur Prüfung ans Bundesverkehrsministerium gehen kann. Der „Gesehen-Vermerk“ der Behörde ist Voraussetzung für das Planfeststellungsverfahren, dessen (positiver) Abschluss einer Baugenehmigung gleichkommt. Erst gegen diese Genehmigung kann geklagt werden. Dafür gibt es nur eine Instanz: das Bundesverwaltungsgericht.

Am weitesten fortgeschritten ist laut Möller die Planung in den Abschnitten 1 bei Lüneburg und 7 (Ehra-Tappenbeck). In diesen Bereichen würden wohl auch zuerst die Bagger rollen. Mit grünem Licht für den Abschnitt 5 wird nicht vor Ende 2014 gerechnet.

Von Holger Boden

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