Die Feuerwehren im Umbruch

Thomas Mitzlaff

Von Thomas Mitzlaff - Als Fußball-Deutschland vor Fernsehern und in Kneipen der Deutschen Nationalmannschaft bei deren Weltmeisterschaftsspiel gegen Serbien die Daumen drückte, wurde in Uelzen Feueralarm ausgelöst: In der eng bebauten Innenstadt brannte es unter dem Dach eines Fachwerkhauses.

Fußball-WM hin oder her – das Ehrenamt ist Ehrensache für die Brandschützer. Und so waren binnen weniger Minuten Feuerwehrleute aus Uelzen und den angrenzenden Ortsteilen ausgerückt, um die Flammen zu bekämpfen. Dieser Juni-Einsatz war ein eindrucksvoller Beleg dafür, dass das Feuerwehrwesen intakt ist hier in der ländlichen Region. Mitbewohner, die ihre Freizeit und ihren Schlaf für die Allgemeinheit opfern und ihre Gesundheit riskieren, verdienen unseren allerhöchsten Respekt und unseren Dank.

Nun macht man sich im niedersächsischen Innenministerium angesichts des Bevölkerungsrückgangs und damit verbundenen Mitgliederschwundes bei den Feuerwehren in den nächsten Jahren Sorgen um den Erhalt dieses hohen Brandschutz-Niveaus. Zu Recht. Denn der Aderlass ist heute schon zu spüren.

Der Innenminister hat bei der Vorstellung seiner Überlegungen betont, Vorsicht walten lassen. Man wolle nicht zwangsläufig eine Auflösung von kleinen Wehren, aber es werde künftig schon gewisse Leistungs- und Finanzziele für die Wehren geben, an denen diese sich dann messen lassen müssen. Das ist legitim. Und in Hannover tut man auch gut daran, sich diesem Thema sensibel zu nähern. Denn von oben einfach zu verordnen, kleinere Wehren den größeren schlagkräftigeren anzugliedern, wäre ein fatales Signal. Denn das funktioniert nur in der Theorie.

Tatsächlich würden sich die Mitglieder aus den aufgelösten Wehren abwenden von ihrem Ehrenamt, der Mitgliederschwund würde so noch forciert. Und das würde auf die Knochen der großen Wehren gehen, bei denen die Belastungsgrenze mancherorts längst erreicht ist.

Sicher, es werden sich Wehren auflösen müssen, 113 wird es in zehn Jahren im Kreis Uelzen bestimmt nicht mehr geben. Aber dieser Vorgang läuft praktisch zwangsläufig ab, er muss nicht von oben „aufgedrückt“ werden. Viele Wehren lösen dieses Personalproblem schon heute pragmatisch. So kommt es vor, dass bei Großbränden Mitglieder kleiner Wehren in die Züge der Feuerwehren aus dem größeren Nachbarort integriert werden. Kooperation über Ortsgrenzen hinweg statt Auflösung sind da gefragt.

Und gefordert ist in den nächsten Jahren auch eine Stärkung dieses wichtigen Ehrenamtes. Auch das hat der Innenminister erkannt und will nachdrücklich bei Arbeitgebern nicht nur Verständnis, sondern auch Entgegenkommen einfordern. Das muss er auch. Denn in Hannover hat man längst erkannt: Ohne Ehrenamt wird der Brandschutz nicht nur richtig teuer, sondern er wird praktisch unbezahlbar.

thomas.mitzlaff@cbeckers.de

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