Die Wochenrevue von Bernd Schossadowski

Fehlender Respekt für den Elternwillen

Wer behauptet, Lokalpolitik sei langweilig, der hat noch nicht die Sitzungen des Uelzener Schulausschusses besucht: Über kaum ein Thema in der politischen Auseinandersetzung der Stadt wurde in den vergangenen Monaten zwischen Vertretern von SPD und CDU so hitzig diskutiert wie über die Frage, ob in der Uhlenköperstadt eine Integrierte Gesamtschule (IGS) eingerichtet werden soll.

Der Kommunalwahlkampf lässt grüßen – in genau zwei Wochen und einem Tag wird in Niedersachsen gewählt.

Doch bereits jetzt hat die Stadtverwaltung – auf Betreiben der SPD – die Weichen für eine IGS in Uelzen gestellt. Beim Land soll demnächst ein entsprechender Antrag gestellt werden. Die Uelzener CDU, die sich stattdessen für die neuen Oberschulen stark macht, reagiert darauf empört. Und sie hat völlig Recht, denn – unabhängig von der Frage, ob Uelzen eine Integrierte Gesamtschule braucht oder nicht – sind die Umstände, die zu der Entscheidung pro IGS geführt haben, äußerst befremdlich. Schon vor Monaten hatte sich der Schulausschuss darauf geeinigt, bei diesem Thema den Elternwillen zu respektieren. Das Ergebnis der darauffolgenden kreisweiten Befragung ließ auch keine Zweifel offen: Für eine fünfzügige IGS – die Mindestgröße laut niedersächsischem Schulgesetz – gab es nicht genügend Interessenten. Aber anstatt dieses Votum zu akzeptieren, zog die Uelzener SPD prompt das nächste Ass hervor: Sie beantragte die Gründung einer – dann eben – vierzügigen IGS. In der Sportlersprache würde man so etwas eine grobe Verletzung der Spielregeln nennen.

Und es kommt noch schlimmer: Einer aktuellen Prognose der Stadt Uelzen zufolge werden die Schülerzahlen in bestimmten Jahrgängen auch für eine vierzügige IGS nicht ausreichen. Sogleich interpretiert die Verwaltung das Ergebnis in ihrem Sinne. Es sei fraglich, wie aussagekräftig diese Prognose überhaupt sei, heißt es dazu aus dem Rathaus. Ein noch deutlicheres Signal, dass der Elternwille weniger zählt als das Durchsetzen politischer Ziele, hätten SPD und Stadt nicht aussenden können.

Bei all dem Streit bleibt jedoch ein Aspekt unberücksichtigt: Die IGS, die es in Uelzen noch nicht gibt, könnte eine Chance sein, die Bildungslandschaft zu ergänzen und die Attraktivität des Schulstandortes zu verbessern. Doch eine IGS mit aller Macht durchsetzen zu wollen und dabei wiederholt sprichwörtliche Fouls zu begehen, das verdient die Rote  Karte.

bernd.schossadowski@cbeckers.de

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