Stadt landet bei Fahrradklima-Test des ADFC auf den hinteren Plätzen

Fahrradklima-Test in Uelzen: Es reicht nur zur Note 4,4

Ein Straßenschild weist auf die Mühlenstraße hin und darauf, dass sie eine Einbahnstraße ist
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Für die Mühlenstraße gilt wie für andere Straßen in Uelzens Innenstadt eine Einbahnstraßen-Regelung. Warum der Fahrradverkehr nicht auch in Gegenrichtung für Radler freigegeben wird, sehen die Teilnehmer des Fahrradklima-Tests kritisch.
  • Lars Lohmann
    VonLars Lohmann
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Versetzung gefährdet? Die Hansestadt Uelzen hat beim ADFC-Fahrradklima-Test 2020 bei den Städten mit 20000 bis 50000 Einwohnern mit Platz 375 von 415 einen der hinteren Ränge belegt. In Niedersachsen reichte es gerade mal für Platz 52 von 54. Die Schulnote lautet 4,4. 

Im Vergleich zu den Vorjahren ist dies laut ADFC eine starke Verschlechterung – 2018 war es noch eine 3,8.
95 Uelzener haben an der Bewertung teilgenommen. Einer von ihnen ist Jürgen Stark.

„Es fehlt einfach ein schlüssiges Konzept, wo die Radfahrer hinsollen. Mal ist der Radfahrer auf der Straße und dann plötzlich wieder gemeinsam mit den Fußgängern auf dem Bürgersteig“, sagt er im Gespräch mit der AZ. Dieses ständige Hin und Her verunsichere. Vor allem bei den Einbahnstraßen im Innenstadtbereich wünscht er sich die Einrichtung von Fahrradstraßen, da in der Innenstadt bisher aufgrund der Verkehrsführung viele Umwege in Kauf genommen werden müssten, die mit Fahrradstraßen wegfielen. „In der Schuhstraße oder der Mühlenstraße ist genügend Platz, sodass Fahrradfahrer auch in Gegenrichtung die Einbahnstraße befahren könnten“, meint Stark.

Andere Kritikpunkte sind die Situation an Baustellen und die Breite der Radwege. „Vor allem bei den Bahnbrücken ist es eng. Aber auch der Fahrradstreifen an der Sternstraße bietet nicht wirklich viel Platz“, erklärt Stark. Das alles führe auch dazu, dass das Miteinander zwischen den unterschiedlichen Verkehrsteilnehmern nicht das beste sei. „Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger müssten mehr Rücksicht aufeinander nehmen“, findet Stark.

Stadtsprecherin Ute Krüger verweist auf AZ-Nachfrage auf das Radverkehrskonzept aus dem Jahr 2016 und dessen Umsetzung. So seien Schutzstreifen für Radfahrer angelegt, Gehwege zur Benutzung freigegeben und Bordsteinkanten abgesenkt worden. „Schmale Radwege lassen sich insbesondere im Innenstadtbereich oder in Ortsdurchfahrten nicht immer verbreitern“, sagt Krüger. In Fällen sehr schmaler Radwege arbeite die Stadtverwaltung zurzeit an möglichen Alternativrouten. Die Öffnung der Einbahnstraßen für den Radverkehr in Gegenrichtung werde gerade geprüft, so Krüger.

Neuralgische Punkte, an denen es Verbesserungspotenzial gibt, sind aus Sicht der Stadtverwaltung insbesondere Kreuzungen und wichtige Knotenpunkte. Beispiele hierfür sind die Bahnhofstraße Ecke Ringstraße sowie die Bahnhofstraße Ecke St.-Viti-Straße, der Kreuzungsbereich vor der Agentur für Arbeit sowie die Kreuzung Ostring/Groß Liederner Straße. Der Umbau des Kreuzungsbereiches zwischen Marktcenter und Rathaus werde die Situation für die Radfahrer verbessern.

Beklagt wird außerdem das Fehlen von Leihfahrrädern in der Stadt. Die Einführung eines nachhaltigen Leihradsystems wird laut Krüger gerade im Rahmen des Mobilitätskonzepts geprüft.

„Das Ergebnis ist für die Hansestadt Uelzen Motivation, den Radverkehr weiter zu verbessern“, sagt Krüger. Man wolle in Zukunft auch für den ADFC-Fahrradklima-Test werben, damit mehr Uelzener Bürger sich daran beteiligen. Denn es hätten nur 95 ausgefüllte Bögen berücksichtigt werden können. Radfahrer könnten auch jederzeit über den Mängelmelder der Stadt Kritikpunkte und Wünsche äußern.

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