Er will nur geschaut haben

Zweiter Prozesstag gegen Wriedeler wegen Kinderpornografie

Prozessauftakt vor dem Landgericht Lüneburg
+
Der 56-jährige Wriedeler soll Chatpartner aufgefordert haben, ihre Töchter zur Verfügung zu stellen.
  • Gerhard Sternitzke
    vonGerhard Sternitzke
    schließen

Am zweiten Prozesstag gegen einen Wriedeler wegen Kinderpornografie und der Anbahnung von Kontakten erklärten Beamte der Ermittlungsgruppe Eichwald, wie sie die Aktivitäten des Mannes im Internet nachvollziehen konnten.

Lüneburg/Wriedel – Das Internet vergisst nicht, sagt man. Das gilt auch für die Geräte, mit denen die Menschen heute im Internet unterwegs sind. Die Taten, die einem Wriedeler vorgeworfen werden, der sich vor dem Landgericht Lüneburg verantworten muss – Besitz kinderpornografischen Materials und der Versuch der Anbahnung sexueller Kontakte – sollen sich fast ausschließlich im Internet abgespielt haben. Datenexperten der Polizei konnten seine mutmaßlichen Aktivitäten rekonstruieren, wie am 21. April am zweiten Prozesstag deutlich wurde.

Fotos und Videos aus dem Darknet

Laut Anklage soll der Arbeiter hunderte einschlägige Fotos sowie Videos heruntergeladen haben. Die soll er im Darknet, dem anonymen Teil des Internets, gefunden haben. Diese dunkle Seite des World Wide Web, die man mit Google nicht findet, wird für viele illegale Geschäfte genutzt, die dem Auge des Gesetzes verborgen bleiben sollen. Die heruntergeladenen Dateien soll der Mann wiederum in einer Cloud, einem passwortgeschützten Bereich im Internet, abgespeichert haben.

„Das Gerät speichert teilweise die vom Nutzer eingegebenen Daten. Jeder Klick wird protokolliert.“ 

IT-Ermittlerin

Dieser abgesicherte Bereich blieb den Ermittlern tatsächlich verborgen, räumte eine IT-Beamtin vor Gericht ein. Allerdings konnte sie viele verborgene Daten auf dem beschlagnahmten Laptop sichtbar machen. „Das Gerät speichert teilweise die vom Nutzer eingegebenen Daten“, erklärte die Zeugin. „Jeder Klick wird protokolliert.“ So war nicht nur dokumentiert, welche Fotos der Angeklagte heruntergeladen hatte, sondern auch, welche Videos er sich, ohne das Material zu speichern, im Darknet angesehen hatte. Jedes dieser Videos hinterlässt auf dem Rechner eine Vorschau mit sechs Bildern.

Auch das Darknet ist für die Ordnungshüter nicht so undurchsichtig. So konnte die Ermittlerin nachvollziehen, auf welchen Portalen sich der Angeklagte mutmaßlich bediente. Die Präferenz des Angeklagten nach Einschätzung der Ermittlerin: Mädchchen im Alter von vier bis zwölf Jahren.

Vor dem Landgericht Lüneburg läuft der Prozess gegen einen Wriedeler wegen Kinderpornografie

Dass es nicht noch mehr Spuren waren, liegt wohl auch daran, dass der beschlagnahmte Laptop relativ neu war. Der Angeklagte wusste, wie schnell er in den Fokus der Behörden rücken könnte. Bereits im Herbst 2019 gab es eine Hausdurchsuchung. Im Frühjahr 2020 kamen die Beamten erneut.

Drei der gestern angehörten Zeugen gehören zur Ermittlungsgruppe Eichwald. Zehn Jahre lang wurden auf dem gleichnamigen Campingplatz bei Lügde in Westfalen Kinder missbraucht. Die Täter ließen andere per Videochat an den Taten teilhaben. Typisch für die Bezahlung seien Paypal-Überweisungen à 50 Euro ohne Überweisungsbetreff gewesen, schilderte ein weiterer Ermittler. Einige Überweisungen kamen von dem Angeklagten.

„Ja, das wären nur Fantasien, wenn er Langeweile hat, und das sei nicht strafbar.“

Eine Ermittlerin der Gruppe Eichwald über eine Aussage des Angeklagten

„Ja, das wären nur Fantasien, wenn er Langeweile hat, und das sei nicht strafbar“, soll der Wriedeler nach Aussage einer weiteren Ermittlerin gesagt haben, als die Beamten sein Auto am Arbeitsplatz durchsuchten. In der Wohnung soll die Stimmung dann gekippt sein. „Raus, raus, raus!“, soll der Mann immer wieder geschrien haben. „Ich hatte schon das Pfefferspray in der Hand, weil ich dachte, er würde auf die Kollegen losgehen“, erzählte die Beamtin.

Sie hießen angeblich Fiona und Hanna, Lea, Caro und Josie sowie Jasminchen. Schwer erträglich, die im Gericht vorgetragenen Chats mit einem angeblich zehnjährigen Mädchen und einem Vater, der seine Tochter zum Missbrauch zur Verfügung stellen wollte. Der Angeklagte, der sich im Chat Leif nannte, soll sich als Pädophiler mit 26-jähriger Erfahrung gebrüstet haben. Er habe behauptet, Tipps geben zu können, wie man Sex mit Kindern mache. Zu den Treffen kam es nicht, weil sich offenbar andere Männer die Personen ausgedacht hatten.

Dem Angeklagten, der die Zeugenaussagen mit verschränkten Armen verfolgte, droht eine Haftstrafe von mehreren Jahren.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare