Die Energiewende wird kein Spaziergang

Die Umstellung unserer Energieversorgung auf erneuerbare Energien wird eine nationale Kraftanstrengung und das umso mehr, wenn wir jetzt schneller aus der Kernenergie aussteigen. Ein verstärkter Rückgriff auf Kohle, Gas und Erdöl verbietet sich aus meiner Sicht, wenn wir den Klimaschutz weiter ernst nehmen, und konsequenterweise auch, wenn wir die CO2-Einlagerung ablehnen, wie der Uelzener Kreistag das einstimmig getan hat.

2010 stammten erst 16,5 Prozent der deutschen Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien, 42,4 Prozent aus Kohle, 13,6 Prozent aus Erdgas und 22,6 Prozent aus der Kernenergie. Der weitaus größte Teil des Weges liegt also noch vor uns. Wir brauchen mehr Windkraft, mehr Wasserkraft, mehr Photovoltaik und insbesondere als speicherbare Energie mehr Biogas. Daneben brauchen wir einen enormen Ausbau von Hochspannungsleitungen. Bisher war es einfach, gegen Kernenergie zu sein. Seitdem fast alle für den Ausstieg sind, wird es komplizierter. Heute beweist sich die Ernsthaftigkeit des Atomausstiegs im konsequenten Einsatz für die erneuerbaren Energien. Mit den Leichtmatrosen, die mit dem „Atomkraft-Nein-Danke“-Aufkleber zur Anti-Windkraft-Demo fahren oder gegen Biogas agitieren, werden wir den Umbau unserer Energieversorgung nicht schaffen. Auch mit dem St.-Florians-Prinzip kommen wir nicht weit: Die norwegischen Umweltschützer sind gegen den weiteren Ausbau der Wasserkraft und die Anwohner von geplanten Hochspannungstrassen gegen Wind-anlagen in der Nordsee. Wir werden die Erneuerbaren nicht verstecken können und wir werden nicht gleichzeitig alle Interessen in gewohnter Weise berücksichtigen können. Wer zum Beispiel die Menschen vor Windkraft in Dorfnähe schützen will, muss ortsferne Flächen öffnen und kann dabei in Konflikt mit Landschaftsschutz-, Naturschutzgebieten oder dem Wald geraten. Kernkraftwerke störten das Auge nicht wie Windkraft- anlagen, Überlandleitungen oder Biogasanlagen. Sie belasteten nicht das Klima wie die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas und waren nicht so teuer wie Solarstrom. Aber sie haben ein Risiko, das wir nicht mehr zu tragen bereit sind. Jede Beeinträchtigung unserer Lebensqualität durch erneuerbare Energien muss an diesem Risiko gemessen werden.

Jörg Hillmer ist CDU-Landtagsabgeordneter für den Kreis Uelzen.

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