Genossenschaft macht den großen Schnitt

VSE trennt sich von drei Standorten sowie Futtermittelsparte

Silo und Lager des VSE-Standorts Suderburg
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Die VSE schließt drei Standorte im Uelzener Kreisgebiet, um Kosten zu sparen – darunter auch die Anlagen in Suderburg.
  • Gerhard Sternitzke
    vonGerhard Sternitzke
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Wegen sinkender Umsätze ergreift die VSE einschneidende Sparmaßnahmen. Drei Standorte im Landkreis Uelzen werden geschlossen, die Futtermittelsparte verkauft.

Ebstorf/Landkreis Die Trennung von Geschäftsführer Volker Bormann war das Vorspiel (AZ berichtete). Man war sich uneinig über die zukünftige Entwicklung der Vereinigten Saatzuchten Ebstorf (VSE). In einem Rundschreiben an die Mitglieder hat die Genossenschaft jetzt einschneidende Einsparmaßnahmen bekanntgegeben. Die Standorte Altenmedingen, Suderburg und Wrestedt werden geschlossen, die Futtermittelsparte – etwa sieben Prozent des bisherigen Geschäfts – wird an die Raiffeisen Centralheide in Soltau verkauft. Nachdem ein Unternehmensberater jeden Geschäftsbereich der VSE auf Herz und Nieren geprüft hat, macht die Genossenschaft den großen Schnitt. Auch beim Personal soll es Einsparungen geben.

Alle zu treffenden Entscheidungen sind in der Beschlussfassung keineswegs einfach gewesen und genießen sicherlich keine große Popularität.

VSE-Rundschreiben an die Mitglieder

„Alle zu treffenden Entscheidungen sind in der Beschlussfassung keineswegs einfach gewesen und genießen sicherlich keine große Popularität“, heißt es in dem Rundschreiben. Es geht um die Rentabilität. Seit Jahren weist das Landhandelsunternehmen mit Hauptsitz in Ebstorf Umsatzrückgänge aus. Dürresommer, Preisschwankungen und Auflagen für die Landwirtschaft machen ihm zu schaffen. Jetzt soll die Trendwende geschafft werden.

Hans-Wilhelm Giere, Aufsichtsratsvorsitzender der VSE, erklärt die einschneidenden Sparmaßnahmen der Genossenschaft.

Wir sind in keiner Weise gefährdet, aber wir wollen wenigstens auf eine schwarze Null im Betriebsergebnis kommen. 

Hans-Wilhelm Giere, Aufsichtsratsvorsitzender

„Wir weisen noch Gewinne aus, aber nur, weil wir gute Beteiligungen haben“, erklärt Aufsichtsratsvorsitzender Hans-Wilhelm Giere auf AZ-Nachfrage. Das sind etwa Europlant-Nordkartoffel in Ebstorf, Genosaaten in Rätzlingen oder die Heide-Wendland-Energie. „Wir sind in keiner Weise gefährdet, aber wir wollen wenigstens auf eine schwarze Null im Betriebsergebnis kommen. Unser Hauptproblem ist da unsere Standortstruktur“, erklärt der Bargdorfer Landwirt. Mit anderen Worten: Die Zahl der Standorte treibt die Kosten in die Höhe. Zukünftig wird sich die VSE vor allem auf die drei Hauptstandorte in Ebstorf, Uelzen und Rätzlingen konzentrieren. Auch die Niederlassungen in Rosche, Clenze und Dähre bleiben erhalten.

Zukünftig wird sich die VSE vor allem auf die drei Hauptstandorte in Ebstorf, Uelzen und Rätzlingen konzentrieren

Vor allem im VSE-Standort am Uelzener Hafen sieht die Genossenschaft ihre Zukunft. Dort wurden in der Vergangenheit Millionen in neue Anlagen investiert. Insgesamt stehen dort zur Ernte im Sommer 18 Silotürme mit Anschluss an den Elbe-Seitenkanal zur Verfügung. „Die VSE wird ein moderner Betrieb“, gibt der Aufsichtsratsvorsitzende die Richtung vor. „Das hat auch Vorteile für die Mitarbeiter.“ So sei es an einem zentralen Standort wie Uelzen möglich, durch ein Schichtsystem die Arbeitszeiten in der Erntezeit zu begrenzen.

Personal wird abgebaut

Allerdings wird auch Personal abgebaut. Sieben Mitarbeiter – sowie zehn Lkw – wechseln zur Raiffeisen Centralheide. Es wird aber auch Aufhebungsgespräche mit einzelnen Beschäftigten geben, die kurz vor der Rente stehen. „Wir machen das nicht über Kündigungen“, betont Giere. Derzeit hat die VSE gut 200 Mitarbeiter.

Einzelne Angebote werden an den zu schließenden Standorten weiterhin vorgehalten, so unter anderem das Tanklager in Wrestedt. Erhalten bleiben auch die Tankstellen, Werkstätten, Düngerlager und Raiffeisenmärkte außer in Suderburg.

Erlöse sinken

Während der Warenumsatz der Vereinigten Saatzuchten Ebstorf (VSE) um sieben Prozent gestiegen ist, weist der Geschäftsbericht 2019/2020 einen Rückgang der Umsatzerlöse um 1,3 Prozent auf 115 Millionen Euro aus. Davon entfallen 91 Millionen Euro auf den landwirtschaftlichen Bereich. Die VSE sieht erste Auswirkungen der neuen Düngeverordnung sowie den harten Wettbewerb im Landhandel als Ursache. Die Futtermittelsparte ist um 4600 Tonnen auf 30 700 Tonnen geschrumpft. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet die VSE mit einem geringeren Mengenumsatz. Die Getreideerfassung ist rückläufig, pandemiebedingt werden zudem weniger Kartoffeln verarbeitet.

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