Eine Baupause wäre der GAU

Die bei Secklendorf geplante Anschlussstelle an die A39 könnte für die Dahlenburger Straße eine große Belastung bedeuten.Foto: Ph. Schulze

Bad Bevensen. Für die CDU/FDP-Gruppe vermittelt die Präambel einer Stellungnahme zum Bau der A39 den Eindruck, "dass wir nicht wissen, was wir wollen", stellte Gruppenvorsitzender Jürgen Schliekau in der jüngsten Stadtratssitzung fest. Die Präambel besagt, dass die Kurstadt eine West-Variante der A39 befürworte. Für den Fall, dass diese aber nicht realisierbar sei, fordere sie den bestmöglichen Schutz, um den Kurort-Status zu sichern.

Den Antrag der CDU/FDP-gruppe, diesen Passus zu streichen und sich lieber dafür stark zu machen, dass die beiden von der Autobahn voraussichtlich getrennt werdenden Ortsteile Groß Hesebeck und Röbbel in höchstem Maße zu schützen, lehnten die SPD sowie Friedrich-Wilhelm Schlichting (CDU) allerdings ab. WBB und Grüne beteiligten sich nicht an der Abstimmung, da sie generell gegen den Bau der Autobahn seien, wie ihre Sprecher Johann-Henrich Vietor (WBB) und Verena von Kriegstein (Grüne) betonten. Durch den so entstandenen Abstimmungs-Patt war der Antrag der Gruppe vom Tisch.

"Die West-Variante war schon zu Zeiten des Beschlusses über die Präambel unrealistisch", wetterte Jürgen Schliekau, "und heute ist sie erst recht unrealistisch." Wie berichtet, wird längst die Ost-Variante der A39 geplant.

Matthias Richter (SPD) warnte allerdings davor, die Forderungen zurückzunehmen. Mehr noch: Man solle sich eine neue Präambel überlegen. "Wir müssen uns jetzt überlegen, was wir wirklich wollen", mahnte er und wies darauf hin, dass der Bau der A39 einen "GAU" für die Kur-stadt bedeuten könnte: Sollte nach dem zweiten Abschnitt (B216 bis Römstedt) eine Baupause folgen, würde der komplette Autobahnverkehr durch Bad Bevensen rollen.

Diese Befürchtung haben auch die Stadtväter – und bereits einen Anwalt eingeschaltet, der ihre Interessen in dieser Sache gegenüber der Landesbehörde für Straßenbau vertritt. Sollte der Planungsabschnitt bis Römstedt gleichzeitig Bauabschnitt sein, ließe sich absehen, "dass dies zu einer inakzeptablen Verkehrsbelastung im Stadtgebiet" führen würde, so Rechtsanwalt Alexander Blume in seinem Schreiben an die Lüneburger Behörde. Mögliche Auswirkungen auf das nachgeordnete Straßennetz seien daher unbedingt zu untersuchen und Vorsorge gegen übermäßige Belastungen für die Kurstadt zu treffen, lautet die Forderung der Bevenser.

Auch die bei Secklendorf geplante Autobahn-Anschlussstelle könnte für die Bevenser zum Desaster werden: Jeglicher in Süden abfließender Verkehr würde dann über die Dahlenburger Straße geleitet werden – mitten durch das Kurgebiet. "Es muss daher untersucht werden, wie unter Einbeziehung aller Landesstraßen im Raum Bad Bevensen, also auch der Landesstraße 252, die stadtverträglichste Anschlussstellenlösung erreicht werden kann", lautet der Appell an die Straßenbaubehörde.

Erschienen: 05.06.2009: AZ / az / Seite:6

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