Diffuse Spuren am Kadaver in Eimke-Wichtenbeck

Wolfsberater: „Für einen Laien sah es nach Schussverletzungen aus“

Wölfin
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Der Wolf, der in Eimke-Wichtenbeck tot auf einem Acker entdeckt worden war - hier ein Symbolbild -, wies ein diffuses Verletzungsbild auf. Selbst der Wolfsberater, der das Tier sicherstellte, erklärte, dass es für einen Laien nach Schussverletzungen ausgesehen habe.
  • Lars Becker
    VonLars Becker
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Die Nachricht, dass der an Silvester auf einem Acker in Eimke-Wichtenbeck aufgefundene Wolf nicht erschossen, sondern totgebissen worden ist, erreichte die Redaktion am Mittwoch kurz vor Redaktionsschluss. Und sie schlug erwartungsgemäß hohe Wellen.

Eimke – Warum mutmaßte die Polizei anlässlich des Fundes des verendeten Wolfes, dass es sich um Schussverletzungen handeln könnte? Und warum haben der Jagdpächter und der Wolfsberater diese Einschätzung geteilt oder nicht widersprochen? Diese Fragen hat die AZ gestellt.

Seeben Arjes aus Waldsrode war in seiner Funktion als Wolfsberater, die er seit rund 30 Jahren ausübt, gerufen worden. Er war Förster auf dem Truppenübungsplatz Bergen, hat deshalb viel Erfahrung mit Schussverletzungen. Er sagt rückblickend zum toten Wolf: „Als ich gerufen wurde, hat man mir gesagt, dass ein Wolf mit zwei Einschüssen gefunden worden sei. Für einen Laien sah es auch tatsächlich nach Schussverletzungen aus, das kann man der Polizei nicht vorwerfen. Der Jagdpächter vor Ort ging auch davon aus“, so Arjes, der Forstbeamter der Bundesforste, selbst passionierter Jäger, Züchter von Schweißhunden und Autor von Fachbüchern über Jägerausbildung ist.

„Auf etwa 100 Quadratmetern Kampfspuren“

Er stellte den Kadaver sicher und übergab ihn dem Umweltministerium, das ihn zum Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung nach Berlin brachte. Rückblickend sagt er: „Ich habe auf etwa 100 Quadratmetern Kampfspuren gesehen, außerdem hat ein Einschuss mit einem jagdlichen Kaliber immer auch einen Ausschuss, den gab es nicht. Dafür war aber ein Gegenbiss da. Es hat also verschiedene Hinweise gegeben. Wahrscheinlich handelte es sich um Rudelkämpfe“, so Seeben Arjes gestern im Gespräch mit der AZ.

Es passiere häufig, dass Wölfe zu Tode kämen, wenn sich geschlechtsreif gewordene Jungtiere einen schwachen Revierinhaber suchten – nur sehr selten würden diese Tiere aber gefunden. Als Wolfsberater sei er in amtlicher Funktion vor Ort gewesen, deshalb habe er keine Mutmaßungen anzustellen, sondern Spuren zu sichern.

Zwei Löcher im Hüftbereich nah beieinander

Für die Polizei erklärte Pressesprecherin Julia Westerhoff, dass Fotos des toten Wolfes zwei Löcher im Hüftbereich nah beieinander zeigten. Man sehe indes keine offensichtlichen Bisswunden, sondern einen insgesamt intakten Körper.

„Von Amts wegen ermitteln wir bei einem Verdacht wegen des Verstoßes gegen das Tierschutz- und Bundesnaturschutzgesetz“, so Westerhoff. Die Ermittlungen enden nach dem Bericht aus Berlin. Darin wird stehen, ob der Wolf zweifelsfrei bei Rudelkämpfen starb.

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