Bundestagsmitglied Dr. Anton Hofreiter äußert bei Info-Abend Zweifel an der Realisierung der A 39

„Eigentlich ist kein Geld da“

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Dr. Anton Hofreiter (rechts) erklärte Alternativen zur Autobahn A 39.

Tappenbeck. Ob die Autobahn A 39 zwischen Tappenbeck und Uelzen quer durch das Isenhagener Land kommt, ist nach Worten von Dr. Anton Hofreiter längst nicht sicher.

„Eigentlich ist kein Geld da“, sagte der Vorsitzende des Verkehrsausschusses des Bundestags und Mitglied der Grünen vor, der am Sonnabend auf Einladung der Bürgerinitiative „Natürlich Boldecker Land“ im Sportheim zu einer Podiumsdiskussion angereist war.

Die Diskussion fiel allerdings aus, die eingeladenen Politiker waren nicht erschienen. Dafür waren 120 Bürger zugegen. „Es gibt jedes Jahr fünf bis sechs Milliarden Euro für die Straßen, davon 2,2 Milliarden für den Unterhalt und 800 Millionen Euro für den Betrieb. Da bleiben für den Aus- und Neubau nur noch zwei Milliarden übrig“, rechnete Hofreiter vor. Bei veranschlagten Kosten für die A 39 von 1 Milliarde Euro müsse man rund 1,5 Milliarden einplanen. Hofreiters Fazit: „Die Chance, dass die A 39 gebaut wird, liegt bei 1:10“ – auch angesichts von 80 Autobahnprojekten bundesweit, die sofort begonnen werden könnten, weil sie durchgeklagt seien und es ein rechtsgültiges Baurecht gebe. Außer den Finanzen gebe es etliche Argumente, nach denen die A 39 nicht gebaut werden sollte. „Die Straßenplanung in Deutschland richtet sich danach, wie flüssig der Verkehr läuft. Auf Menschen wird dabei erst in zweiter Linie Rücksicht genommen.“ Ohnehin sei ein Mehr an Straßen fragwürdig. „Straßenbau mag in den 1950er und 1960er Jahren richtig gewesen sein, heute ist das keine Antwort mehr. Aber Menschen tun sich schwer, Gewohnheiten zu verändern.“ Selbst die „Lobbyisten des Volkswagen-Konzerns“ seien weniger an einer Autobahn als an den Ausbau des Schienennetzes oder der Schleusen der Kanäle interessiert. Immerhin könnten Containerschiffe heute schon 66 Lastwagenladungen transportieren, während ein 40 Tonnen schwerer LKW die Straßen so sehr ramponiere wie rund 100 000 PKW. Daher sei es sinnvoll, neben der Unterhaltung des Straßennetzes Schienen- und Wasserwege auszubauen. Auch der Zusammenhang zwischen Straßenbau und ökonomischer Entwicklung sei nach neuen Forschungsergebnissen nahezu bei null, in ländlichen Regionen sei der Einfluss sogar negativ. Wie das Vergabeverfahren sei, wollte ein Zuhörer wissen. „Das ist ein basarartiger Prozess. Viel hängt davon ab, wie sich Kommunen, Bürgermeister und Abgeordnete positionieren, und wer wen kennt“, verriet Hofreiter. Dass Straßenbau in der Politik immer noch einen so hohen Stellenwert besitze, liege daran, dass Politiker meist darüber definiert würden, dass sie Projekte durchsetzen. „Es sieht gut aus, wenn man ein Band durchschneidet“, so Hofreiter. Nach 2015 werde es einen neuen Verkehrswegeplan geben. Dann würden die Karten neu gemischt. „Der Bund baut keine Straße gegen den Widerstand einer Kommune. Gebaut wird die A 39 erst dann, wenn die Bagger anrollen.“

Von Burkhard Ohse

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