Das EHEC-Desaster

Mindestens 31 Menschen haben bislang ihr Leben verloren. Viele hundert Frauen und Männer, Junge und Alte sind erkrankt. Die EHEC-Epidemie, die dieser Tage im Lande grassiert, hat das Sicherheitsgefühl seiner Bürger aus den Fugen geraten lassen.

Ende letzter Woche fiel der Verdacht auf einen Steddorfer Biogärtnerbetrieb, eine der Quellen für die EHEC-Welle zu sein. Doch niemand konnte nachweisen, dass dort produzierte Keimsprossen tatsächlich mit dem gefährlichen Erreger verunreinigt sind. Gestern dann die Gewissheit: Der Bienenbütteler Betrieb sei nun definitiv als der Hauptauslöser für die EHEC-Erkrankungswelle in Deutschland ausgemacht worden, vermeldete Landwirtschaftsminister Gert Lindemann. In Nordrhein-Westfalen wurden erstmals die gefährlichen Keime auf solchen Sprossen gefunden, die aus Steddorf stammen. Hatten sich noch kurz nach Bekanntwerden des Verdachts Medien aus aller Herren Länder auf das Steddorfer Unternehmen gestürzt, blieb es gestern trotz dieser Nachricht relativ ruhig vor dessen Tor. Nur wenige Reporter verirrten sich in die kleine Sackgasse des 600-Seelen-Dorfes. Dabei hatten noch am Montag Journalisten Stunde um Stunde vor Ort auf neue Nachrichten gelauert, jeden noch so kleinen Eindruck aufgesogen und ihn in die ganze Welt verbreitet. Denn so sehr man auch wartete – die alles erklärende Nachricht blieb aus. Von EHEC keine Spur. Obwohl so vieles darauf hin deutete. Am nächsten Tag waren die Fernsehstationen, Radio- und Zeitungsreporter vor dem Biohof verschwunden. Fast jeder Nachbar ist mittlerweile interviewt, jede Perspektive des verriegelten Hofes mit Kameras aufgenommen worden. Von vorne, von hinten, von der Seite. Mehr geht nicht. Griechenland-Pleite und Opel-Verkauf beherrschen zwischenzeitlich die Nachrichten. Mag sein, dass in ein paar Wochen kein Mensch mehr über EHEC spricht. Wahrscheinlich werden viele Fragen offen bleiben. Allein das Unheil der Epidemie bleibt dann zurück. Und wohl auch die Erkenntnis, dass wir die Natur nicht beherrschen werden. Niemals. Sie beherrscht uns. ines.braeutigam@cbeckers.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare