Die Bundesstraße 4 ist einseitig gesperrt: Durch den Klosterflecken Ebstorf brummen daher die Lastwagen

Ziemlich eng und ganz schön voll

Geduldsprobe: Die Bundesstraße 4 wird noch bis Ende des Monats einseitig zwischen Melbeck und Uelzen gesperrt sein. Auf der Landesstraße – also der Umleitungsstrecke – fällt Überholen aber schwer. Schnelles Vorankommen ist Glückssache. Fotos: Wendlandt (1)/Brütt (3)

Ebstorf/Landkreis. Vorsichtig schlängelt sich ein Koloss durch die enge Kurve – als Pkw-Fahrer wird einem spätestens in diesem Moment etwas mulmig zumute.

Denn die Straße, durch die Autofahrer aus Richtung Lüneburg kommend am Ortseingang von Ebstorf eintreffen, ist schmal. Und derzeit treffen dort ganz besonders viele Lkws ein. Der Grund: Die Bundesstraße 4 (B 4) ist zwischen Melbeck und Uelzen einseitig gesperrt. Für die „Schönheitskur“ eines Streckenabschnittes bei Bienenbüttel muss nun der Asphalt in Ebstorf, Oetzfelde, Velgen und rund um Groß Süstedt leiden. Denn die Landesbehörde für Straßenbau und -verkehr leitet die Fahrzeuge von Melbeck aus über die Landesstraße 233 und die Bundesstraße 71 um. Rund 15 000 Fahrzeuge rollen täglich zwischen Lüneburg und Uelzen über die B 4 – 2000 davon sind Lkws. Ein tiefes Rauschen kündigt ihr Kommen schon lange bevor sie das Ortsschild Ebstorfs passieren an. Im Sekundentakt wird es lauter, bis sie mit einem lauten Rauschen am Fußgängerweg der Bahnhofstraße vorbeifahren – eine Windböe im Gepäck. Eine Frau zeiht die Schultern in Richtung Ohren, als sie auf dem Bürgersteig der Windzug des tonnenscheren Gefährtes erwischt. Die Wasserfontäne in der Grünanlage der Georgsanstalt, die auf der gegenüberliegenden Seite steht, lässt das Getöse kalt: Plitsch-Platsch lässt sie Tropfen in den Teich plätschern – ein Schauspiel, das man jedoch nur sehen und dann für sich selber mit den gewohnten Lauten untermalen kann. Denn hinter den Lastkraftwagen folgt eine lange Schlange Pkws – samt Geräuschkulisse.

Hinter den Brummis staut es sich. Zum Überholen bietet die Landesstraße zwischen Ebstorf und Lüneburg kaum Möglichkeiten – zu eng ist sie und das Tempolimit außerhalb der Ortschaften immer zwischen 80 und 100 Stunden pro Kilometer. Darum brettern sie in Wellen durch den Klosterflecken. Ein Brummi als Anführer, ein ganzer Rattenschwanz anderer Fahrzeuge hinterher. Vormittags bemerkt man das erhöhte Verkehrsaufkommen deutlich – auch außerhalb der Rush-Hour. Still ist es auf den Straßen Ebstorfs durch die B 4-Sperrung derzeit selten. Morgens und abends, also zum Start in den Tag sowie beim Feierabendverkehr spitzt sich die Lage in Sachen Verkehrsaufkommen noch einmal zu: Wer sich als Rechtsabbieger in die Bahnhofsstraße einfädeln möchte, hat es schwer. Linksabbieger haben kaum eine Chance... es sei denn der fließende Verkehr hat ein Einsehen... Fußgänger haben an drei Stellen die Möglichkeit zwischen dem geschäftigen Brummen der Autos hindurchzuschlüpfen – an einer Verkehrsinsel, einer Ampel und einem Zebrastreifen. Mit schnellem Kopfdrehen „links–rechts–links“ hat zwischen diesen Überhilfen kaum einer eine Chance gegen die Vierräder. Zu dicht, zu schnell sind sie unterwegs... nach Ansicht einiger Ebstorfer Ratsleute sogar so dicht und so schnell, dass sie sich einen weiteren Fußgängerüberweg wünschen – eine Entscheidung, die jedoch das Land treffen müsste, nicht umsonst heißt die Straße ja „Landesstraße“...

Aber zurück zur Straßensperrung beziehungsweise der Umleitung – denn nicht nur Ebstorfs Bahnhofstraße ächzt unter der Last der Lkws. Auch die anderen Orte an der L 233 werden häufiger frequentiert – wie übrigens jedes Mal, wenn Arbeiten an der Bundesstraße 4 anstehen. Denn es handelt sich um eine offizielle Umleitungsstrecke. Dennoch, der Straßenbelag zwischen Oetzfelde und Ebstorf sieht bereits reichlich mitgenommen aus. Der zwischen Uelzen, Melzingen und Ebstorf im Übrigen auch. Mehrfach wurde er bereits ausgebessert.

Eine positive Auswirkung der gelben Umleitungsschilder, die Fremden wie Einheimischen derzeit ihren Weg zeigen: die schönere Route fahren Ausflügler sowie Pendler nun allemal. Geschwungen, kurvig, mit Höhenunterschieden führt die Landesstraße durch das Land. Und zwar genau durch das! Grüne Wälder, bestellte Felder. Und Orte, die manch flotter Durchreisender auf dem Weg nach Braunschweig normalerweise sicher nicht streifen würde. Die schönere Strecke ist die Umleitung im Vergleich zur B 4 sicher. Ausgerichtet wäre sie für dauerhafte Verkehrsströme sicher nicht. Denn zwei Lkw müssen schon arg aufpassen, dass sie die Spur halten, damit sie auf der schmalen Straße nicht gegeneinander rasseln.

Bis Ende Juni werden Pkws und ihre „großen Brüder“ noch durch Ebstorf und die anderen Orte fahren. So lange ist die Bundesstraße 4 einspurig gesperrt. Von Uelzen aus können Autofahrer weiterhin ungehindert nach Lüneburg fahren.

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