Zerstörungswut und 400 Volt

Rund 1000 Euro Sachschaden: ein zertrümmertes Buswartehaus.

Ebstorf - Von Ines Bräutigam. Uwe Beecken stieg gestern Morgen die Zornesröte ins Gesicht: Jugendliche hatten in der Nacht zu Freitag eine Spur der Verwüstung durch Ebstorf gezogen – mal wieder. Und der Fleckenbürgermeister hat die Nase mittlerweile gestrichen voll. So wollte der Flecken Ebstorf zunächst eine Belohnung aussetzen für sachdienliche Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen, nahm dann aber wieder Abstand davon. Erste Ermittlungen der Polizei haben nämlich bereits gestern zur Feststellung von Personalien geführt. Die Ermittlungen dauern an.

Nach und nach wurde im Laufe des Vormittags das ganze Ausmaß des Schadens deutlich. Abgeknickte Büsche und Bäume, herausgezogene Leitpfähle, ein zerschlagenes Buswartehäuschen aus Glas säumen die Spur der sinnlosen Zerstörungswut an der Bahnhofstraße. Außerdem traten der oder die Täter die Abdeckung eines Stromverteilerkastens ab, 400-Volt-Leitungen lagen frei. Der trockene Kommentar eines Elektrikers dazu: „Wäre jemand damit in Berührung gekommen, wäre der geröstet worden.“

Auch drei Fenster des historischen Rauchhauses auf dem Winkelplatz schlugen die Randalierer ein. Allein der Ersatz dieser Scheiben wird den Flecken rund 500 Euro kosten, schätzt Gemeindedirektor Torsten Wendt. Für ihn steht fest: „Das tolerieren wir nicht, das akzeptieren wir nicht.“

Dabei sah in den vergangenen Tagen alles noch so vielversprechend aus: Wie berichtet, hatten sich Heiko Senking, Ratsherr der Unabhängigen Wählergemeinschaft, und Carolin Kühnelt, Leiterin des Ebstorfer Mehrgenerationenhauses, jüngst dafür stark gemacht, dass der Jugendtreff nach einer fünfwöchigen Pause wieder geöffnet wird. Rechtzeitig zu Beginn der milden Jahreszeit, in der sich Jugendliche erfahrungsgemäß wieder verstärkt im Freien treffen.

Doch gleich den ersten milden Abend des Jahres, die erste laue Nacht und den Ferienbeginn nahmen junge Leute offensichtlich zum Anlass, sich an öffentlichen Einrichtungen auszutoben. In der Vergangenheit hatte eine Gruppe Jugendlicher für negatives Aufsehen gesorgt, die sich regelmäßig am so genannten „Affenfelsen“ auf dem Rathausplatz traf, Alkohol konsumierte und lärmte. Immer wieder wurde in Ebstorf auch randaliert und zerstört.

Und Politik und Verwaltung sind allmählich ratlos, wie man den Ausschreitungen noch Einhalt gebieten kann. „Da hilft allmählich nur noch knallhartes Durchgreifen“, meint Gemeindedirektor Wendt. Zunächst einmal wird am Donnerstag, 8. April, der nächste Runde Tisch einberufen, an dem sich Jugendliche, Vertreter aus Rat und Verwaltung, Kreisjugendpflege, Diakoniewerk Jerusalem und Polizei zusammensetzen und gemeinsam Lösungen erarbeiten sollen. Das Gespräch beginnt um 16 Uhr im Mehrgenerationenhaus am Ebstorfer Domänenplatz. Jeder, der Interesse hat, ist an diesem Nachmittag willkommen.

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