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Wohnraum für Familien und Alleinerziehende ist Mangelware in Ebstorf

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Baustellen im Baugebiet.
Bezahlbarer Wohnraum ist Mangelware in Ebstorf. Die Politik im Klosterflecken will jetzt gegensteuern. So könnte die GWK möglicherweise Wohnungen bauen. © Symbolfoto: Sternitzke, Gerhard

Der Blick in zwei bekannte Immobilienportale im Internet ist ernüchternd: Eine einzige Wohnung ist für Ebstorf verzeichnet. 350 000 Euro werden für ein altes Siedlungshaus fällig. Der unaufhaltsame Preisanstieg im Immobiliensektor hat längst den Landkreis Uelzen und damit den Klosterflecken erreicht.

Ebstorf – Die neuen Häuser in den Baugebieten an der Wessenstedter Straße und Wohnanlagen im Ortskern täuschen darüber hinweg, dass es für Menschen mit nicht so großem Einkommen immer schwieriger wird, in Ebstorf Wohnraum zu finden. Das Problem beschäftigt inzwischen auch die Kommunalpolitik.

Viel wird gebaut, aaber nur wenig für kleine Renten und Gehälter

„Viel wird in Ebstorf gebaut, aber leider nur Weniges bezahlbar für kleine Renten, kleine Gehälter und Alleinerziehende“, bedauert Bürgermeister Heiko Senking (UWG). Nach seiner Beobachtung verlagert sich das Problem hoher Mieten und Immobilienpreise aus dem Großraum Hamburg, insbesondere aus dem Nachbarkeis Lüneburg, aber auch aus Munster und Soltau in den Klosterflecken.

„Die Leute sind andere Preise gewöhnt und kaufen alles auf“, hat er beobachtet. „Die Bäckereiverkäuferin und Alleinerziehende fallen hinten runter. Da müssen wir was tun, damit die Leute nicht noch weiter in die Peripherie gedrückt werden“, fordert Senking. „Wir wollen ja nicht noch mehr Verkehr haben.“

Mittlerweile suchen Betroffene auf Facebook nach Wohnraum oder schalten den Bürgermeister ein, in der Hoffnung, dass er Vermieter kennt, die freie Wohnungen haben. Nach eigenen Angaben liegen Senking derzeit vier Anfragen vor, darunter eine Familie, zwei Alleinerziehende und eine Einzelperson. „Das geht durch alle Schichten und Altersstrukturen“, betont der Bürgermeister.

Auch ältere Mitbürger wenden sich an ihn. „Sie sagen mir: Wir würden gern unser Haus verkaufen, aber wir können uns den Wohnraum nicht leisten“, berichtet Senking. Würden sie geeignete Wohnungen finden, würden wieder Häuser für junge Familien frei.

Kann die GWK Wohnungen im neuen Baugebiet errichten?

Bezahlbarer Wohnraum muss also geschaffen werden. Als erste Maßnahme könnte der Klosterflecken eine Fläche im neuen Baugebiet Tannenworthring für Mehrfamilienhäuser mit günstigen Wohnungen zur Verfügung stellen. Die landkreiseigene Gesellschaft für Wohnungsbau des Kreises Uelzen (GWK) wäre laut dem ehemaligen Gemeindedirektor Hans Peter Hauschild (SPD) bereit, dort bezahlbare Wohnungen zu schaffen. Die Möglichkeiten sind allerdings begrenzt, weil bereits viele Bauwillige auf der Warteliste stehen, erklärt Bürgermeister Senking.

Senking macht sich auch Gedanken, wie etwa Ebstorfer Familien vor der finanzkräftigen Konkurrenz um Baugrundstücke geschützt werden könnten, etwa durch Reservierung eines Teils für Ortsansässige. Auch die Preise für Bauland des Klosterfleckens sind gestiegen. Hier sieht er jedoch auch aus rechtlichen Gründen keine Möglichkeit, einheimischen Bauwilligen einen Rabatt einzuräumen.

Eine Förderung für Familien – unabhängig von ihrer Herkunft – existiert bereits im Klosterflecken Ebstorf. Pro Kind gibt es bereits einen Rabatt beim Baulandkauf von 1200 Euro. Ob diese Vergünstigung auch angesichts der rasant steigenden Baupreise für bauwillige Familien ausschlaggebend ist, ist zu bezweifeln.

Die Politik hat das Problem Wohnraummangel jedenfalls erkannt. „Man kann als Gemeinde steuern“, sagt Bürgermeister Senking. „Wie wir das machen wollen, darüber müssen wir beraten.“

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