CDU-Abgeordneter Hillmer empört über Haltung der Landesregierung

Wölfe und Spielplätze: „Wir brauchen nicht mehr Zäune“

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Heinz Anacker zeigt im Februar auf die Stelle, an der er sein totes Schaf fand. Ein zweites Tier war so schwer verletzt, dass er es erlösen musste. Ein Wolf hatte die Tiere attackiert; die Weide in Ebstorfer Ortslage verfügte nicht über den sogenannten wolfsabweisenden Grundschutz.

Ebstorf/Landkreis. Welchen Schutz vor Wölfen bietet die Landesregierung für spielende Kinder in Ortslagen und auf Kinderspielplätzen? Diese Frage hatte der CDU-Landtagsabgeordnete Jörg Hillmer, wie berichtet, an die Landesregierung gestellt.

„Die rot-grüne Landesregierung weiß eine einfache Antwort darauf: Gar keinen“, fasst er bitter zusammen. Wörtlich heißt es in der Stellungnahme aus Hannover: „Sorgen und Ängste der Bevölkerung werden sehr ernst genommen. Nach allen bisherigen Erfahrungen ist ein spezieller Schutz jedoch nicht erforderlich. “.

Auslöser für Hillmers Anfrage war letztlich der Riss eines Schafs in der Nacht zum 14. Februar in unmittelbarer Nähe des Spielplatzes an der Celler Straße in Ebstorf (AZ berichtete). Die Landesregierung bestätigt Hillmer, dass sowohl dort als auch am späten Morgen des 14. Februar in Allenbostel jeweils ein Wolf als Verursacher der Schafsrisse amtlich festgestellt worden sei. Ob es sich jedoch in beiden Fällen um ein und dasselbe Tier handele, das sei derzeit noch nicht zugeordnet worden. Der Landtagsabgeordnete kann das nicht nachvollziehen: „Sowas müsste schnellstens geklärt werden, um überhaupt Problemwölfe erfassen zu können.“

Ob es sich um ein Raubtier oder mehrere handelt – aus Sicht der Landesregierung wäre eine Einstufung als sogenannter Problemwolf ohnehin fehl am Platze, heißt es in der Antwort auf Hillmers Anfrage. Ein Kriterienkatalog des Bundesamts für Naturschutz enthalte Kriterien, wie bestimmtes Wolfsverhalten einzuschätzen sei.

Doch auch das Verhalten von Menschen thematisiert die Landesregierung in ihrer Stellungnahme: „Wenn der Grundschutz gewährleistet ist, geht die Zahl der Risse erfahrungsgemäß zurück. Leider ist in den o.g. Fällen nicht für einen ausreichenden Grundschutz gesorgt worden“, heißt es da. Erfahrungen anderer Länder mit Wildtieren hätten außerdem gezeigt, dass einige Grundregeln zu beachten seien, um Tiere nicht anzulocken oder zu habituieren. „Beispielsweise dürfen Abfälle nicht in der Landschaft verbleiben“, rät das Umweltministerium. „Rastplätze müssen sauber gehalten werden. Tiere dürfen nicht angefüttert werden. (...) Wildtieren darf nicht nachgestellt werden. Dazu gehört auch der ordnungsgemäße Schutz von Nutztieren vor Beutegreifern.“ Und die Kontrolle dieser Regeln obliege üblicherweise den Landkreisen.

Jörg Hillmer ist empört. Die Stellungnahme der Landesregierung sei ein Beleg dafür, „dass sie die Probleme der Menschen mit dem Wolf nicht wahrnehmen will“, so Hillmer. „Wir brauchen nicht mehr Zäune um jedes Dorf, sondern ein Konzept zur Wolfsregulierung.“

Für den grünen Landtagsabgeordneten Heiner Scholing sind die Forderungen von CDU und FDP „rechtswidrig“, sie würden nur „einfache Lösungen vortäuschen“, betont er in einer Pressemitteilung. „Wölfe sind in Deutschland streng geschützte Tiere. Nur wenn ein Wolf trotz fachgerechter Schutzzäune und Herdenschutzhunden mehrfach Nutztiere reißt, darf er getötet werden. Das gilt auch, wenn er zu wenig Scheu zeigt und sich Menschen wiederholt auf kurze Distanz nähert und zur Gefahr wird.“ Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) handele daher richtig, so Scholing: Das Land unterstütze Tierhalter finanziell beim Bau von Schutzzäunen, mit Soforthilfe bei Wolfsrissen und künftig auch mit einem Herdenschutzteam.

Von Ines Bräutigam

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