Trotz der Tragödie auf dem Ebstorfer Reiterhof Bruns geht der Betrieb weiter

„Wir blicken nur nach vorne“

Bis vor kurzem hat der alte Trecker (links) beim Ausmisten gute Dienste geleistet. Er wurde ein Raub der Flammen.

Ebstorf. „Ich bin ein Mensch, der immer nach vorne schaut. Was nützt es, wenn ich lamentiere, es muss bei uns weitergehen“, sagt Christine Bruns.

Am vergangenen Sonnabend ist der 800 Quadratmeter große Pferdestall auf dem Reiterhof Bruns ein Raub der Flammen geworden (AZ berichtete).

Man ist im Angesicht der Tragödie zusammengerückt auf dem Reiterhof in Ebstorf. Schon am Sonnabend, als die Löscharbeiten noch in vollem Gange waren, wurde der für diesen Tag geplant Ponyclub-Treff abgehalten. „Es waren ja alle da“, erzählt Christine Bruns, „wir sind mit den Ponys nicht in der Halle geblieben, sondern haben einen kleinen Ausritt gemacht. Und irgendwie waren alle froh, dass sie sich beschäftigen konnten. Für uns gab es ja nichts anderes zu tun.“ Den ganzen Sonnabend über waren die Einsatzkräfte damit beschäftigt, den Großbrand zu löschen. Alle Pferdebesitzer sind zum Hof geeilt, nicht nur um sich um ihre Pferde zu kümmern. Diese waren auf der Koppel und waren von dem Geschehen um sie herum eher unbeeindruckt. Und auch am Sonntag waren Einsatzkräfte mit stundenlangen Nachlöscharbeiten beschäftigt. Heu und Stroh, welches im Stall gelagert wurde, flammte immer wieder auf. Der 25-jährigen Sonja Schulz aus Ebstorf steht der Schock ins Gesicht geschrieben. Sie ist froh, dass ihr Pferd die Ereignsse unbeschadet überstanden hat.

Das Knallen der Eternitplatten war weithin zu hören, auch der Rauchpilz war unübersehbar – das es sich hier um einen Großeinsatz handelt, ist den Ebstorfern klar, als um 10.17 Uhr die Sirene auf dem Dach des Rathauses anfängt zu heulen.

Nach nur wenigen Minuten sind erste Kräfte vor Ort und in einer Hals-über-Kopf-Aktion wird wertvolles Material aus der Sattelkammer gerettet. Hand in Hand arbeiteten Feuerwehr und Helfer zusammen. Nicht mehr zu retten ist der alte Trecker, der immer beim Ausmisten sehr gute Dienste geleistet hat. „Er ist nur noch ein Gerippe“, sagt Christine Bruns traurig. Da sich die Reiterbranche kennt, erreichte die Familie Bruns den ganzen Tag über Hilfsangebote. Schon am gestrigen Montag wurde ein sogenannter Turnierstall geliefert und aufgebaut. Solche kennt Christine Bruns von großen Turnieren. Dass sie selbst mal auf so einen Stall zurückgreifen muss, damit hat sie nicht gerechnet. „Jetzt muss kein Pferd mehr draußen stehen“, so Christine Bruns. Die Privatpferde konnten sofort in anderen Stallungen auf dem Hof untergebracht werden. Die Ponys, alle mit einem besonders dicken Fell, waren draußen. Gemeinsam mit den Pferdebesitzern wurde besprochen, wie es auf dem Hof weitergeht. Der Betrieb geht wie üblich weiter, alle geplanten Unterrichtsstunden finden turnusmäßig statt.

Aber nicht nur Hilfsangebote von außerhalb begeisterten die Familie, auch Nachbarn halfen tatkräftig mit, wo sie nur konnten. Einer der Nachbarn lies heiße Suppe für die ganz Familie kommen. Die wärmte nicht nur die flatternden Nerven. Gestern musste sich Christine Bruns ersteinmal um den Wasseranschluss des ehemaligen Stalls kümmern. „Nicht, dass es zu einem Wasserrohrbruch kommt.“

Von Meike Bornemann

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