Velgener machen für den Süsing mobil: Einwohner wollen Statusänderung des Gebiets verhindern

Windrad ja, aber nicht im Schutzgebiet

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Sie kämpfen für die Natur – und saubere Energie: Sarah Hünecke (von links), Dirk Voss und Martina Bartusch.

Velgen. Wir sind für saubere Energie, aber bitte nicht direkt vor der eigenen Haustür – auf diesen Kernsatz lassen sich viele Initiativen von Anwohnern gegen den Bau von Windrädern in der direkten Nachbarschaft zusammenfassen.

Die Lärmbelästigung, die optische „Verspagelung“ der Landschaft und andere Argumente gegen die Anlagen, die sich durch die Luft schrauben, werden angebracht – nicht so in Velgen. Dort hat sich nahezu ein ganzer Ort zusammengefunden und positioniert sich im Rahmen des inzwischen beendeten Beteiligungsverfahrens per Einwendung beim Naturschutzamt gegen die Errichtung von Windkraftanlagen einen Kilometer von Velgen entfernt im Süsing – und zwar der Natur wegen.

„Unser großes Anliegen ist, dass das Landschaftsschutzgebiet nicht aufgehoben wird“, sagt Dirk Voss. Er ist einer von drei Sprechern, die die Interessen von 123 Bürgern aus Velgen, Rieste, Varendorf, Bornsen und Beverbeck, die die Eingabe beim Umweltamt unterzeichnet haben, öffentlich vertreten.

Zur Einordnung: Der Ort Velgen hat 104 wahlberechtigte Einwohner. Allein 80 von ihnen stehen per Unterschrift hinter den Argumenten gegen den Statuswechsel des etwa 53 Hektar großen Teiles des Landschaftsschutzgebietes Süsing, der erforderlich wäre, damit das Projekt Windkraftrad zwischen Bornsen und Velgen realisiert werden könnte. Das Projekt bringen derzeit acht Bornsener Grundstücksbesitzer voran, die sich bereits um einen Betreiber bemühen, der auf den Feld- und Wiesenflächen Krögers Kamp und Schwarzer Berg fünf Windräder installieren würde.

Die Velgener Einwohner unterstützen mit ihrem Protest die Stellungnahme der Gemeinde Hanstedt I, die sich ebenfalls gegen die forcierten Änderungen ausgesprochen hat. „Es hat ja irgendwann mal einen Grund gegeben, dass das Landschaftsschutzgebiet wurde“, sagt Voss und weist darauf hin, dass durch eine Statusänderung für den in diesem Zuge geplanten Bau der Windräder Tiere gefährdet und Landschaft zerstört werden würde.

So stelle die Teilfläche einen Übergang zwischen Wald und Feldflur dar. „Der Rotmilan ist ein typischer Offenlandvogel, der vor allem in Bereichen jagt, die sich durch eine Mischung aus Waldstreifen mit Busch und Totholz und landwirtschaftlich genutzten Flächen auszeichnen“, heißt es in dem Schreiben der Initiative an den Landkreis. Der Rotmilan sei eine streng geschützte Art.

Zudem würde das zur Debatte stehende Gebiet als Erholungsareal für Einwohner und Touristen wegfallen und die Lebensqualität der Menschen vor Ort beeinträchtigt. „Man hat schon den Eindruck, dass wirtschaftliche Interessen im Fokus stehen und dann auch ungeeignete Flächen ausgewählt werden“, sagt Sarah Hünecke, die sich ebenfalls für die Beibehaltung der Süsing-Fläche als Landschaftsschutzgebiet stark macht. „Das Ziel der umweltverträglichen Energiegewinnung wird hier nicht erwirkt.“

Im November wird die Aberkennung des Status Landschaftsschutzgebiet zwischen Bornsen und Velgen Thema im Umweltausschuss des Landkreises Uelzen sein. Dirk Voss: „Wir werden da sein, in welcher Form wissen wir noch nicht. Wir wollen Windenergie – Velgen ist von Windrädern umgeben. Aber es muss dafür einen besseren Ort geben.“

Von Wiebke Brütt

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