Kurz vor der Wahl: Kritik an Plänen zur Verwaltungsstruktur / Wirtschaft sorgt sich wegen Konkurrenz

UWE will Bauamt für Ebstorf

Die Akten werden neu gemischt: Während sich die Ämter auf den Umzug vorbereiten, kritisiert die UWE die neue Verwaltungsstruktur. Foto: Ph. Schulze

Bevensen/Ebstorf. „Wehret den Anfängen“, mahnt Heiko Senking, Vorsitzender der Unabhängigen Wählergemeinschaft Ebstorf (UWE), und kritisiert im gleichen Atemzug die Verwaltungsspitzen der Samtgemeinden Bevensen und Ebstorf scharf.

Sein Vorwurf: Die Samtgemeinde Altes Amt Ebstorf kommt bei der Verwaltungszusammenführung mit Bevensen (die AZ berichtet) zu kurz. Senking: „Ich bin erschüttert. Wir reißen hier in Ebstorf beim Projekt Klosterquartier sämtliche Plätze auf und sollen kein Bauamt mehr vor Ort haben?“.

Nach den Plänen der Verwaltungsspitzen sollen Bau-, Ordnungs- und Hauptamt der fusionierten Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf im Ämterzentrum Bad Bevensen untergebracht werden. Die Kämmerei samt Bürgerservice werden in das Rathaus Ebstorf ziehen (die AZ berichtete). Senking: „Die wichtigsten Dinge für den Bürger sind dann mit dem Bauamt in Bad Bevensen. Das kann doch nicht sein.“

Gerade diese Kritik lassen Ebstorfs Samtgemeindebürgermeister Torsten Wendt und Bevensens Erster Samtgemeinderat Hans-Jürgen Kammer so nicht auf sich sitzen. Politik wie Personalräte seien in den Planungsprozess mit eingebunden gewesen – obgleich die Gliederung der Verwaltung keine politische, sondern allein eine Entscheidung der Verwaltungsspitzen ist. „Wir werden nach etwa einem Jahr auch eine Umfrage unter den Nutzern machen, wie zufrieden sie mit dem Bürgerservice der Verwaltung sind. Wenn nötig, wird dann nochmal nachjustiert“, erklärt Wendt. Und auch Kammer bestätigt: „Es herrscht Aufbruchstimmung. Wir haben jetzt begonnen und müssen den weiteren Weg mit den Bürgern zusammen gestalten.“

Eine Zweigstelle des Bauamtes in Ebstorf – wie es die UWE fordert – steht unterdessen nicht zur Diskussion. „Es können aber Termine abgesprochen werden, zu denen Mitarbeiter für Beratungen oder Ortsbesichtigungen rausfahren werden“, stellt Wendt klar. „Die Baustellen, die in Ebstorf sind, werden wegen der neuen Gliederung nicht vernachlässigt. Dass sich etwas ändern wird, war allen klar. Wir haben schließlich alle den Fusionsvertrag unterschrieben.“ Durch Synergien und Personalabbau sollen in den kommenden zehn Jahren rund 2,3 Millionen Euro eingespart werden.

Dennoch: Kurz vor der Realisierung der Fusion bekommen mehrere Gruppierungen offensichtlich kalte Füße. Neue Chancen oder Gefahr für das eigene Geschäft? So ganz ist sich die Ebstorfer Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) nicht sicher, was sie von der neuen Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf halten soll. Denn die Wirtschaft rund um die Kurstadt sei breiter organisiert, und die Ebstorfer Wirtschaft befürchtet, dass der Service der Samtgemeinde für sie vor Ort schmaler ausfallen könnte. „Wir machen uns Sorgen, dass bei der Fusion Ebstorf hinten über fällt“, sagt EWG-Vorsitzender Erhard Peters. „Zum Beispiel was die Sauberkeit vor Ort angeht, die Pflege der Grünanlagen und die Schneeräumung.“ Dieses wiederum könnte sich nach Ansicht der Wirtschaftstreibenden negativ auf ihr Geschäft auswirken. Peters: „Ist der Winkelplatz dann vom Schnee geräumt, wenn hier morgens Markt ist?“

Auch die Marktzeiten bereiten ihm schlaflose Nächte: Abstimmen müssten sich die Ebstorf und Bevenser, damit es nicht zu Überschneidungen kommt und man sich gegenseitig die Kunden wegschnappt.

Von Wiebke Brütt

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