Achtköpfige syrische Familie wird nach zweieinhalb Jahren in Ebstorf wiedervereint

Ein Wiedersehen nach der Flucht

Noureddin Hasan (Mitte) und sein Sohn Hasan Hasan werden bald ihre Familie wiedersehen. Doch um diese auch unterbringen zu können, fehlt es an Platz in ihrer Eineinhalb-Zimmer-Wohnung. Guido Wrage (links) hilft bei der Wohnungssuche. Foto: Lohmann
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Noureddin Hasan (Mitte) und sein Sohn Hasan Hasan werden bald ihre Familie wiedersehen. Doch um diese auch unterbringen zu können, fehlt es an Platz in ihrer Eineinhalb-Zimmer-Wohnung. Guido Wrage (links) hilft bei der Wohnungssuche.
  • Lars Lohmann
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Ebstorf. Seit fast zweieinhalb Jahren haben der syrische Flüchtling Noureddin Hasan und sein 13-jähriger Sohn Hasan meist einmal die Woche nur telefonisch von Ebstorf aus mit dem Rest der Familie in der Türkei Kontakt gehabt.

Jetzt gibt es am 11. Juli am Hamburger Flughafen ein Wiedersehen. Denn Noureddin Hasans Frau und seine restlichen Kinder, vier Mädchen und ein Junge, dürfen nach Deutschland nachkommen.

„Wenn ich sie wiedersehe, werde ich ein bisschen Drama machen“, sagt Hasan Hasan über den Tag, an dem er seine Mutter und seine Geschwister in die Arme nehmen wird. Er habe sie sehr vermisst und freue sich darauf, die ganze Familie wiederzusehen. Dann werde man wahrscheinlich den ganzen Tag und die ganze Nacht erzählen und die Familienzusammenführung feiern.

Ein Jahr und drei Monate habe es gedauert, bis nach der Anerkennung als Flüchtling der Bescheid kam, dass der Rest der Familie nachkommen könne, erzählt Noureddin Hasan. Von der Heiratsurkunde bis zum Personalausweis wollten die Behörden alles haben. Das sei kompliziert gewesen, da sie nach ihrer Flucht aus Azaz, einer Kleinstadt bei Aleppo in Nordsyrien, einen Großteil der Unterlagen gar nicht mehr hatten und selbige in Damaskus erst wieder besorgt werden mussten. Doch am Ende habe ja alles geklappt und er freue sich, endlich seine Frau und seine Kinder wiederzusehen.

Noureddin Hasans Flucht führte 2015 zunächst mit dem Boot von der Türkei nach Griechenland und dann von dort über Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich zunächst ins Auffanglager Friedland und dann nach Ebstorf. Seinen Sohn hat er aus einem bestimmten Grund mitgenommen: „Hasan sollte eine gute Schule besuchen.“ Das sei in der Türkei nicht möglich gewesen.

Inzwischen besucht Hasan Hasan die Oberschule Ebstorf und geht dort ab dem kommenden Schuljahr in die siebte Klasse. „Ich habe auch Freunde hier gefunden und mache viel Sport“, sagt der 13-Jährige.

Doch bei aller Freude über die baldige Familienzusammenführung gibt es auch ein Problem: Die Hasans wohnen momentan in einer Eineinhalb-Zimmer-Wohnung. „Da reicht der Platz für sechs weitere Personen natürlich hinten und vorne nicht“, sagt Guido Wrage von der Flüchtlingshilfe Ebstorf. Leider habe man noch keinen Erfolg bei der Suche nach einer Bleibe für die Hasans gehabt. Er hofft, dass sich noch jemand meldet, der Wohnraum zur Verfügung stellt, aber die Zeit wird knapp.

„Wir haben auch einen Plan für den ,worst case’“, so Wrage. Der hieße dann wahrscheinlich: zunächst DRK-Erstaufnahmelager an der Nothmannstraße in Uelzen. „Wir hoffen aber, dass wir ihn nicht brauchen.“

Von Lars Lohmann

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