„Tempo 100 ist hier keine Seltenheit“

Wie auf der Autobahn – Melzinger sind im Umleitungsstress

Marion und Michael Heckel stehen an der Barnser Straße in Melzingen und schauen auf einen LKW
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Marion und Michael Heckel sind Anwohner der Barnser Straße in Melzingen. „Tempo 100 ist hier keine Seltenheit“, sagen sie.
  • Lars Lohmann
    VonLars Lohmann
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„Morgens ist das hier wie auf der Autobahn“, sagt der Melzinger Michael Heckel, der aus dem Fenster seines Hauses auf die Barnser Straße blickt. 

Melzingen - Seit Beginn der Bauarbeiten auf der B 71 nutzen viele vermehrt die Kreisstraße, obwohl die offizielle Umleitung eigentlich über die L 250 von Ebstorf nach Groß Süstedt führt. „Seit dem Frühling habe ich nicht mehr mit offenem Fenster geschlafen“, berichtet Marion Heckel. Denn das größte Verkehrsaufkommen gibt es nach ihren Beobachtungen zwischen 5.30 und 9 Uhr sowie abends im Feierabendverkehr. „Es kommt aber auch vor, dass mitten in der Nacht mehrere Lkw hintereinander durch den Ort poltern“, sagt Michael Heckel. Jetzt durch die Sperrung der B 71 habe die Verkehrsbelastung noch einmal merklich zugenommen. „Immer wenn es eine Sperrung gab, ist nach deren Ende mehr Verkehr auf der Straße geblieben“, sagt Marion Heckel.

Dabei ist es auch schon zu Blechschäden gekommen. „Einem Handwerker, der bei uns geparkt hat, haben sie innerhalb von einer halben Stunde den Außenspiegel abgefahren. Das ist keine Seltenheit mehr“, berichtet Michael Heckel. Auf der schnurgeraden Strecke würden die Autos zudem viel zu schnell in den Ort fahren. „Tempo 100 ist hier keine Seltenheit“, sagt er. Daher hat sich der Wahl-Melzinger, der aus Süddeutschland stammt, auch an die Gemeinde Schwienau gewendet.

Die hat laut Bürgermeister Hans-Joachim Bütow eine Geschwindigkeits-Messtafel durch die Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf aufstellen lassen, um offen und verdeckt zu messen, mit welchem Tempo die Fahrzeuge in und aus den Ort gebraust kommen. Das Ergebnis ist ernüchternd. Der schnellste Fahrer ist laut Bütow mit 106 Stundenkilometern durch den Ort gerast. „Die Straße ist eine beliebte Abkürzung, vor allem wenn es Sperrungen gibt, verschärft es sich “, erklärt Bütow.

Daher habe er sich auch mit den Geschwindigkeitsdaten beim Landkreis gemeldet. Das Ergebnis eines ersten Gesprächs: An der betreffenden Stelle soll jetzt auch geblitzt werden.

Frühere bauliche Maßnahmen wie eine Verschwenkung mit Kopfsteinpflaster innerorts, hätten hingegen keinen merklichen Effekt gehabt. „Die Verschwenkung funktioniert nicht“, sagt Bütow. Daher sei kurzfristig Blitzen die beste Lösung.

Den Bürgermeister beschäftigt aber nicht nur die Situation an der Barnser Straße, sondern auch der Wittenwater Weg, der eigentlich für den Lastwagenverkehr gesperrt ist, wird häufiger von Lkw-Fahrern als Abkürzung genutzt. Bütow: „Es ist an beiden Stellen in Melzingen ein großes Problem.“

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