Vereinigte Saatzuchten verbuchen Umsatzrückgang von 20 Prozent / Dividende soll ausfallen

Wetter verhagelt die Bilanz

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In Ebstorf entstehen derzeit für 1,8 Millionen Euro eine neue Düngemittelhalle sowie ein Lagerbüro mit Sozialräumen. Gleichzeitig schließt die VSE drei unrentable Standorte.

Ebstorf. Wenn Bauern übers Wetter reden, dann ist das mehr als Geplauder. Für sie geht es im schlimmsten Fall um die wirtschaftliche Existenz. Zwei Jahre in Folge hatten sie unter den Wetterkapriolen zu leiden.

Das bekommen auch die Vereinigten Saatzuchten Ebstorf-Rosche (VSE) zu spüren. Im Geschäftsjahr vom 1. Juli 2017 bis zum 30. Juni 2018 brach der Umsatz um 20 Prozent ein. Bei der Generalversammlung heute (Dienstag, 15 Uhr in der Uelzener Jabelmannhalle) werden Vorstand und Aufsichtsrat den Landwirten deshalb vorschlagen, auf eine Dividende zu verzichten.

Volker Bormann

Verheerende Folgen hatte der verregnete Sommer 2017 für die Kartoffelernte. Statt 101.000 Tonnen im Vorjahr wurden bei der VSE nur noch 70.000 Tonnen angeliefert. Das entspricht einem Minus von 30 Prozent. „Wegen der Regenfälle entsprach die Qualität nicht den Ansprüchen“, erklärt Bormann. Folge: Die Knollen gingen nicht in die Supermärkte, sondern mussten mit entsprechenden Preisabschlägen an Schälbetriebe und andere Verarbeiter verkauft werden.

Sogar 37 Prozent betrug der Rückgang beim Getreide. Hier brach der Ernteertrag von 178.000 auf 112.000 Tonnen ein. Entsprechend schrumpfte der Gesamtumsatz der Vereinigten Saatzuchten auf 109 Millionen Euro. Der Dürresommer 2018 taucht noch gar nicht in der Bilanz auf. Aber die niedrigen Erntemengen sorgen für ein bisschen Hoffnung, denn die Preise sind gestiegen.

Im Rahmen der Fusion mit der Saatbau Clenze war auch über einen neuen, zentralen Standort nachgedacht worden. Dazu erklärt Geschäftsführer Volker Bormann: „Vom Tisch ist nichts, wir haben aber noch nichts in Planung.“ Dagegen werden erste Schließungen kleiner, unrentabler Standorte umgesetzt. Das betraf etwa Wieren. „Weil wir dort Investitionen in Instandhaltung und Sanierungen hätten tätigen müssen und weil es dicht an Wrestedt liegt“, erklärt Bormann. Das Kartoffellager bleibt aber bestehen.

In Brockhöfe, wo der Mietvertrag Ende 2019 ausläuft, wurde bereits in diesem Jahr kein Getreide mehr angenommen. Und der kleine Standort Weste wird zum Jahresende 2019 dichtgemacht. „Mehr ist noch nicht konkret“, betont Bormann. Ob und welche Standorte noch aufgegeben werden, das werde im Regionalbeitrat mit den gewählten Vertretern der Landwirte besprochen. „Die VSE gehört den Landwirten. Es wird nichts über die Köpfe hinweg gemacht“, stellt Prokurist Gerhard Lüdemann klar.

Am Standort Ebstorf wird gerade investiert. Für 1,8 Millionen Euro entstehen hier eine neue Düngemittelhalle und ein Lagerbüro mit Sozialräumen.

Von Gerhard Sternitzke

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