Lernen durch Bewegung

Westersunderberg: Walter Plagge will mit einem Verein seinen Parcours bekannter machen

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Walter Plagge hat einen Parcours entwickelt, an dem Kinder durch Bewegung Selbstvertrauen und Konzentration gewinnen. Ein Verein soll jetzt seine Methode bekannter machen.

Westersunderberg – Handeln, nicht reden, das war schon immer ein Grundsatz im Leben von Walter Plagge. Lange Jahre hat er in Wolfsburg als Sozialarbeiter beim Jugendamt gearbeitet.

Gleichzeitig ließ ihn ein Thema nicht los: Wie können Kinder mehr Selbstvertrauen bekommen? Dafür hat er eigens einen Parcours entwickelt, den Kinder von drei bis zehn Jahren allein bewältigen – den Plagge-Parcours. Der 79-Jährige hat jetzt mit mehreren Mitstreitern einen Verein gegründet, um Fortbildungen anbieten zu können und die Methode bekannter zu machen.

„Ich möchte diese Arbeit weiter verbreiten“, erklärt der Westersunderberger. Der Parcours helfe, in Kindern Selbstbewusstsein aufzubauen. Denn die verschiedenen Elemente werden von ihnen ohne jegliche Hilfe von außen bewältigt. „Es gibt kein Richtig oder Falsch, aber auch kein Lob oder Zwang“, sagt Plagge, der sich in seiner Zeit beim Jugendamt als einer der Ersten für Mutter-Kind-Freizeiten einsetzte.

Der Parcours wird schweigend absolviert. „So sollen die Kinder in ihrem eigenen Tempo und ohne Druck selbstbewusster werden“, sagt Plagge. „Es ist keine Therapie, es ist Lernen durch Bewegung.“ Die Kinder seien dann ausgeglichener, weil die Bewegung ihnen in heutiger Zeit einfach häufig fehle. Und sie könnten sich auch besser konzentrieren. „Am Sportunterricht wird als erstes gespart“, bedauert Plagge.

Die Ideen zu dem Parcours liegen auch in der Kindheit des Sozialarbeiters begründet. „Ich war Legastheniker und wirkliches Selbstbewusstsein hatte ich nur beim Laufen“, erzählt Plagge. Der Sport sei seine Möglichkeit gewesen, sich selbst zu beweisen. Er macht eine Schlosserlehre und geht zur Bundesmarine. Gleichzeitig besucht er in Kiel das Abendgymnasium, um sein Abitur nachzuholen. Bei seiner Arbeit als Fahrlehrer merkt Plagge schnell, dass ihm das Pädagogische liegt. „Mir war klar, das will ich machen“, sagt er. Er studiert Sozialarbeit in Braunschweig.

Der Familienvater tüftelt, nachdem er in Wolfsburg angefangen hat zu arbeiten, nach Feierabend an seinem Parcours und geht regelmäßig zu Fortbildungen. Er entwickelt einen Parcours mit 13 Stationen. Sie reichen von der Balancierbahn bis zu einer großen Leiter mit Rutschbahn. Beim Absolvieren der Bahnen könne man erleben, wie die Kinder sich entwickeln. „Wenn ein Kind, das sich vorher nicht getraut hat, die Leiter hochklettert, dann gewinnt es ungeheuer an Selbstvertrauen“, sagt Plagge. Das zu sehen, sei eine Belohnung für seine Arbeit.

VON LARS LOHMANN

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