Wärme aus Gülle für den Wichernweg

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Holger Alvermann zeigt seinen Kindern Insa und Jonas, wie ein Blockheizkraftwerk funktioniert. Zum Betrieb der Biogasanlage werden zwei Motoren benötigt.

Ebstorf - Von Wiebke Brütt. Im November haben Holger Alvermann, Christoph Alms und Kai Jenckel es gewagt: Die Landwirte begangen den bau einer Biogasanlage am Rande Ebstorfs. „Die Betonarbeiten sind noch vor dem Frost fertig geworden“, erklärt Holger Alvermann. Die weiteren Arbeiten packen die drei Betreiber dann 2011 an – eine ärgerliche Zeitverzögerung, denn eigentlich wollten sie bereits dieses Jahr mit der Biogasanlage ans Netz gehen.

Entstehen soll am Ortsausgang in Richtung Wessendorf eine Anlage mit 310 kW, die mit 5000 Tonnen Mais und 2500 Kubikmeter Gülle befüllt wird. Mit dem Gas, das bei der Versetzung mit Bakterien entsteht, werden dann zwei Motoren betrieben – ein kleiner steht direkt an der Anlage, der andere, ein ausgesiedeltes Satelliten-BHKW, steht direkt am Hof Alvermann an der Lüneburgerstraße, der seit 1936 im Familienbesitz ist. „An der Biogasanlage reicht ein kleiner Motor, der genügend Wärme erzeugt, um die Bakterien bei Laune zu halten“, erklärt Holger Alvermann. Die Wärme, die als Abfallprodukt des größeren Motors in der Lüneburgerstraße entsteht, wird in ein Wärmenetz eingespeist, das dann die Wohnanlage Wichernweg beheizen soll. Alvermann: „Der durch die Anlage erzeugte Strom wird dann in das öffentliche Netz eingespeist.“ Insgesamt können dadurch über 550 Vier-Personen-Haushalte mit Strom versorgt werden.

Zu dritt hoffen die Landwirte ihr Projekt möglichst wirtschaftlich umzusetzen – jeder bringt seinen Teil in die gegründete Ackerbaugesellschaft ein. „Zusammen haben wir genügend Fläche, um den Mais in einer günstigen Fruchtfolge anzubauen“, erklärt Alvermann. Rund 450 Hektar Land besitzen sie zusammen – etwa 100 Hektar benötigen sie, um ihre Biogasanlage mit ausreichend „Futter“ zu versorgen. Die benötigte Gülle stammt zu einem großen Teil aus den Schweineställen von Holger Alvermann. 250 Sauen samt Aufzucht nennt er sein eigen. Christoph Alms hat ebenfalls Mastplätze. Das in der Biogasanlage letztlich anfallende Substrat wird dann als Dünger auf die Felder aufgebracht.

„Wir haben über ein Jahr überlegt, ob wir das machen wollen, haben uns unterschiedliche Anlagen angesehen“, berichtet der 36-jährige Landwirt. Für die Dreier-Konstellation haben sie sich gleich aus mehreren Gründen entschieden: Alms und Jenckel sind Ackerbau-Experten, Alvermann kennt sich mit Viehzucht aus. Zudem verteilen sich die Kosten auf mehrere Schultern und „es ist immer jemand da“.

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