Ebstorfs Bürgermeister will Rückbauten im „Oberen Brüggerfeld“ vermeiden

„Wäre ein Riesentheater“

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Ob Carport, Geräteschuppen, Gartenhäuschen oder Terrasse – im Ebstorfer Baugebiet „Oberes Brüggerfeld“ haben fast alle Häuslebauer über die Stränge geschlagen. Weil rund 100 Grundstücke betroffen sind, will Ebstorfs Bürgermeister Heiko Senking bauordnungsrechtliche Verfügungen vermeiden und eine Kompromisslösung herbeiführen.
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Ebstorf. Die Büchse der Pandora war in dem Moment geöffnet, als ein Nachbarschaftsstreit im Baugebiet „Oberes Brüggerfeld“ eskalierte: Ein Nachbar echauffierte sich über die überdimensionierten Bauten auf dem Grundstück nebenan.

Weil zu viel Fläche versiegelt worden sei, zeigte er seinen Nachbarn an. Was so klein begann, hat inzwischen immenses Ausmaß angenommen: Denn als der Landkreises Uelzen als zuständige Bauaufsichtsbehörde nach diesem vermeintlichen Einzelfall etwas genauer hinsah, kam heraus, dass auf so gut wie jedem Grundstück zu viel gebaut wurde.

Das ist jetzt ein halbes Jahr her, und der Landkreis müsste eigentlich handeln. Das erste Verfahren gegen den angeschwärzten Nachbarn läuft auch. „Er muss zurückbauen“, sagt Kreisbaudezernent Frank Peters. Doch alle anderen, die sich nicht an die Vorschriften hielten, haben noch keine Post vom Landkreis erhalten. Der tut sich wegen der Vielzahl von betroffenen Bauherren schwer, geltendes Baurecht durchzusetzen. Immerhin müsste fast jeder der insgesamt rund 100 Grundstückseigentümer im „Oberen Brüggerfeld“ zum Rückbau von zu großen Carports oder Terrassen, von Gartenhäusern, Geräte- oder Fahrradschuppen verdonnert werden.

Im Moment hält die Kreisverwaltung still und schielt in Richtung Ebstorf. Hier nämlich hat Bürgermeister Heiko Senking nach einigen Gesprächen mit Betroffenen eine Kompromisslösung in Aussicht gestellt: Die Bausünder könnten eine Änderung des Bebauungsplans, die den Ist-Zustand legalisieren würde, selbst bezahlen. Eigentlich dürfen laut Plan 25 Prozent der Grundstücke versiegelt werden. Mit einer Änderung könnten möglicherweise 30 Prozent erlaubt werden, so Senking.

Er wolle das Thema jetzt in die politischen Beratungen geben, kündigt er im AZ-Gespräch an. „ Die Grundstücke in dem Gebiet sind sehr klein und unglücklich geschnitten“, sagt er. „Man sollte versuchen, das Problem auf elegantem Weg zu lösen, bevor da alle anfangen zurückzubauen. Das wäre ein Riesentheater.“

Von Ines Bräutigam

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