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VSE erntet den ersten Hanf – positive Bilanz nach Versuchsanbaus in Klein Malchau

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Anbauberater Max Müller mit Hanf und Mähdrescher.
VSE-Anbauberater Max Müller zieht eine positive Bilanz des Hanfanbaus. In Klein Malchau hat die Ernte mit einem umgebauten Mähdrescher begonnen. © Sternitzke, Gerhard

Die Polizei war auch schon da. Die handförmig-gesägten Blätter von Cannabis sind der Stoff, aus dem Blaulichtmeldungen gemacht sind. Bei den Vereinigten Saatzuchten Ebstorf (VSE) hat jetzt die Hanfernte begonnen. Über zwei Meter hoch sind die Pflanzen, die mit einem umgebauten Mähdrescher auf einem Feld bei Klein Malchau geerntet werden.

Klein Malchau/Ebstorf – „Der THC-Gehalt ist unter 0,1 Prozent“, beruhigt Max Müller, Anbauberater für neue Projekte bei der VSE. Dafür gibt es eine Bescheinigung der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Lebensmittel. Geerntet werden alle Pflanzenbestandteile: die zähen Fasern, der Holzkern und die Samen.

THC-Gehalt unter 0,1 Prozent

Der Mähdrescher ist eigens für die Hanfernte umgebaut. „Da stecken zehn Jahre Entwicklung drin“, betont Müller. Hinter einem Maismähwerk, dessen Scheiben Sägeblättern ähneln, arbeitet eine Messertrommel, in der die zähen Fasern durchtrennt werden. Darüber befindet sich in Kopfhöhe das Mähdreschermähwerk für die Körner.

Der Fahrer sieht von alldem nichts, weil die hohen Pflanzen ihm den Blick versperren. Er ist auf Lenksystem und Kamera angewiesen. Das Hanfstroh wird anschließend getrocknet und zweimal gewendet, bevor es mit einer modifizierten Strohpresse in Form von Rundballen gepresst wird.

Neue Einkommensmöglichkeiten für Landwirte

Mit den Pionierprojekten sucht die VSE neue Einkommensmöglichkeiten für die Mitgliedsbetriebe. Für den ersten Teil des Versuchs zieht Müller eine positive Bilanz. Die Pflanzen haben sich als dürreresistent erwiesen und sind je nach Bodenqualität bis zu 2,50 Meter hoch gewachsen.

Der Nutzhanf wächst bis zu zehn Zentimeter am Tag. „Dadurch macht er sich so schnell breit, dass das Unkraut keine Chance hat“, erklärt Müller. „Wenig Dünger, keine Spritzmittel, wenig Arbeitsstunden, gute Wertschöpfung“, fasst der 25-jährige staatlich geprüfte Wirtschafter die Vorteile zusammen.

Dämmstoffe aus Hanffasern

Die Hanfballen – mit 5000 rechnet Müller – werden in den VSE-Hallen in Wrestedt gelagert, wo auch bereits die geernteten Tulpen liegen. Bei der Verwertung arbeitet die Genossenschaft mit dem niederländischen Unternehmen Hempflax zusammen, das in der Nähe von Groningen aus den Fasern CO2-neutrale Dämmmatten und aus den Holzstücken, den Schäben, mit dem Bindemittel Kalk Hanfsteine herstellt. Auch als Einstreu sind die Fasern geeignet, weil sie nicht stauben. Nur für die Biogasanlage ist das Material nicht geeignet.

Die Samen müssen spätestens nach acht Stunden in die Trocknung, damit sie nicht faulen. Sie werden als Vogelfutter verpackt, könnten aber auch in die Ölpresse gehen.

Bereits im ersten Jahr hat die VSE 290 Hektar Nutzhanf auf Äckern zwischen Dahlenburg und Gardelegen in der Altmark angebaut, im nächsten Jahr sollen es schon 600 Hektar werden.

Das Interesse der Landwirte ist groß, berichtet Müller. „Ich bin der Meinung, das ist eine super Frucht, die passt super in die Region.“

• Heute, Donnerstag ab 15.30 Uhr lädt die VSE zu einer Infoveranstaltung zum Hanfanbau auf dem Feld bei Klein Malchau ein. Dort gibt es Informationen zum Flachsanbau sowie eine Maschinenvorstellung.

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