Geldinstitut will Leerstand entgegen wirken / Einwohner kritisieren Umzug

Volksbank sucht nach Lösungen

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Weiteren Leerstand im Ortskern wollen Volksbank wie Einwohner vermeiden: Derzeit werden Gespräche über eine künftige Nutzung des Gebäudes geführt.

Ebstorf. Ein leeres Geschäftsgebäude mitten im Ortskern – ein Gedanke, der Ebstorfs Einwohner wenig begeistert. Vor allem, wenn es sich um ein so dominantes wie die Volksbank handelt. An der Hauptstraße zieht das große, rot geklinkerte Gebäude Aufmerksamkeit auf sich.

Voraussichtlich Ende des dritten, Anfang des vierten Quartals werden Volksbank-Kunden ihre Geschäfte an der Georg-Marwede-Straße in einem Neubau erledigen müssen. Was mit der Immobilie an der Hauptstraße geschieht, ist noch offen.

„Der Ort stirbt aus. Hier ist ja jetzt schon nicht mehr viel“, sagt Cornelia Stolte (58). Vor allem für ältere Menschen sei der Standortwechsel von der Ortsmitte an die Georg-Marwede-Straße eine Herausforderung. Stolte: „Die müssen sich dann zu den Märkten dahinten fahren lassen.“ Denn nur Busse, die aus umliegenden Gemeinden kommen, würden an dem Ortsrand halten – die Verbindungen des öffentlichen Nahverkehrs innerhalb des Ortes seien schlecht ausgebaut.

Der Ebstorfer Jürgen Raabe bedauert den Umzug der Volksbank unter anderem aus historischen Gründen: „90 Jahre lang hat die Volksbank Ebstorf in und mit der Gemeinde gute Geschäfte gemacht. Ebenso waren und sind die Ebstorfer gute und treue Kunden und Genossenschaftsmitglieder der Bank. Neben Rathaus, Post und Kirche ist eine Volksbank in einem kleinen Flecken wie Ebstorf ein zentraler Ort und gehört deshalb schon in dieser Definition in den Ortsmittelpunkt. Eine Volksbank ist kein Autohaus, dass heute hier und morgen dort seine Tore öffnen kann. Ein Ortsbank hat auch eine über die geschäftliche Tätigkeit hinausgehende, gesellschaftliche Bindung an und Mitverantwortung für die Gemeinde. (...) 150 bis 200 fehlende Bankkunden täglich werden den Ortskern massiv belasten und entschleunigen.“ Besonders bedauerlich sei, dass die Bank sich aus dem Ortskern zurückzieht, während Gemeinde, Ebstorfer Wirtschaftgemeinschaft und Einwohner gemeinsam ein Konzept zur Belebung des Ortskerns entwickelt haben (die AZ berichtete).

Bürgermeister Uwe Beecken und Gemeindedirektor Wilhelm Oelstorf hatten bereits vor drei Wochen Verständnis für die Veränderungen der Ebstorfer Volksbankfiliale geäußert. Den Umzug werteten Ebstorfs Gemeindevertreter als klares Signal für den Standort Ebstorf – nur eben in einer anderen Immobilie.

Der Bankvorstand hatte unter anderem mit dem zurückgehenden Kundenverkehr argumentiert. Zudem sei das Gebäude an der Hauptstraße mit seinen rund 800 Quadratmetern zu groß geworden, und an dem neuen Standort in der Georg-Marwede-Straße könnten weitere Kunden angesprochen werden. „Wir bedienen nicht nur die Ebstorfer, sondern auch die Orte drumherum“, betont Volksbankvorstandsmitglied Rainer Adamczyk. „Wir sind ernsthaft dabei, Lösungen für das Gebäude an der Hauptstraße zu finden.“

Von Wiebke Brütt

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