Der Wriedeler Norbert Lundschien und seine Oldtimer-Trecker

Verflixter dritter Zylinder

Der Wriedeler Treckersammler Norbert Lundschien mit seinem Hanomag R 22, der genau so alt ist, wie er selbst. Ein Jahr Arbeit steckte in der Restaurierung.
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Der Wriedeler Treckersammler Norbert Lundschien mit seinem Hanomag R 22, der genau so alt ist, wie er selbst. Ein Jahr Arbeit steckte in der Restaurierung.

Wriedel – Plötzlicher Lärm im Maschinenschuppen. Mit einem Satz ist die Katze verduftet. Norbert Lundschien hat den Zündschlüssel gedreht und nun knattert und rattert der Diesel des blauen Hanomag ohrenbetäubend, unterbrochen von ein paar Fehlzündungen.

Eine Qualmwolke sucht sich den Weg ins Freie. Drei Zylinder hat der betagte Traktor. Die Ziffern kann man auf dem Motorlesen, der sich jetzt langsam in ruhigerem Fahrwasser bewegt. „Bis der dritte Pott in Gang kommt, dauert es etwas“, meint der Wriedeler Trecker-Sammler entschuldigend.

Die Acker-Oldtimer sind seine Leidenschaft. Zwei Hanomag, einen Lanz Bulldog sowie ein Fordson sind mit den Jahren zusammengekommen, aber der knatternde Hanomag mit der Tpyenbezeichnung R 22 – das steht für 22 PS – ist der älteste und hat die meiste Kraft gekostet. Ein altes Foto. Als der ehemalige Heizungsbauer den Oldtimer vor gut 15 Jahren in der Nähe von Wolfsburg abholte, war der der Hanomag aus dem Jahr 1952 kaum mehr als ein rostiger Haufen Schrott. Zusammen mit seinem Sohn Maik brauchte er ein Jahr, um den Traktor wieder zum Laufen zu bringen.

Der Lanz Bulldog wurde mit Benzin gestartet, bevor ein Hebel für Diesel umgelegt wurde.

Jetzt ist er zufrieden mit dem Stück Technikgeschichte im typischen Blau der Hannoverschen Maschinenbau AG, kurz Hanomag, das genau so alt ist wie er selbst. „Der Motor läuft wie eine Nähmaschine“, lobt der Bastler. Hanomags Markenzeichen waren die Stahlspeichenräder und das geschwungene Blechdach. Eine Hydraulik gab es Anfang der fünfziger Jahre noch nicht. Dafür durfte ein Rad zum Antrieb der Dreschmaschine nicht fehlen.

Mit 22 PS war ein Landwirt damals gut motorisiert. Bei den Bauern hatte die Marke einen guten Ruf, erzählt Lundschien. „Die Motoren waren robust und pflegeleicht“, betont er. Und laufen, wie man sieht, bis heute. So wie der größere R 35/45 von 1959 mit aerodynamischer Motorhaube, der bereits über ein Rootsgebläse, einen Vorläufer des Turboladers, verfügte. „Damals kamen die Anhänge-Mähdrescher auf“, berichtet der Rentner. Die Leistung ließ dann einfach auf 45 PS umschalten.

Der Lanz Bulldog nebenan ist gerade außer Gefecht. Die neue Schwungscheibe für den Einzylinder liegt schon bereit. Vier Schraubdeckel befinden sich auf der schmalen Motorhaube des Halbdiesels von 1953, für Öl, Wasser, Diesel und Benzin. Zunächst wurde Benzin in den Zylinder gepumpt, um den Motor zu starten, anschließend auf Diesel umgeschaltet, weiß Lundschien. Genau solch einen Bulldog hat er in seiner Jugend gesteuert, wenn er bei der Kartoffelernte half.

Viele Arbeitsstunden stecken in seinen Schätzchen, Zeit, die er gerne investiert hat: „Ich muss was zu tun haben. Still sitzen ist nicht mein Ding.“ VON GERHARD STERNITZKE

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