Neue Ideen für die Landwirtschaft

VSE im Umbruch: Geschäftsführer testet Blumenzwiebeln, Hanf und Kräuter

VSE-Silos am Uelzener Hafen
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Eine Investition in die Zukunft: Die erweiterten Getreidesilos der Vereinigten Saatzuchten Ebstorf (VSE), verkehrstechnisch günstig am Hafen in Uelzen gelegen.

Die Zahlen sind erst einmal schlecht. Der Gesamtumsatz der Vereinigten Saatzuchten Ebstorf (VSE) sank im Geschäftsjahr 2020/21 auf 104,1 Millionen Euro, ein Rückgang um neun Prozent. Getreide und Kartoffeln sind das Kerngeschäft der Genossenschaft.

Ebstorf – Folge einer guten Kartoffelernte waren niedrige Erzeugerpreise und damit einen Einbruch beim Umsatz. Die Zahlen nannte Geschäftsführer Dr. Christoph Hauser auf der Generalversammlung am Dienstag – und skizzierte gleichzeitig, wie er sich den Weg aus der Krise vorstellt.

2021 ist ein Jahr des Umsteuerns in der Genossenschaft, die von 884 Mitgliedern – überwiegend Landwirten – getragen wird. Der Aufsichtsrat beschloss im Frühjahr schmerzhafte Einschnitte. Die Standorte Suderburg, Wrestedt und Altenmedingen wurden geschlossen, die Futtermittelsparte verkauft (AZ berichtete). Der damalige Geschäftsführer verließ die VSE wegen unterschiedlicher Auffassungen über die zukünftige Ausrichtung. Gleichzeitig wirken sich Investitionen bereits aus. So wurde die Erweiterung der Siloanlage am Uelzener Hafen rechtzeitig zur Ernte 2021 fertig, die aber nicht mehr ins Geschäftsjahr fällt.

Stabilisierend wirkt sich die Verteilung der Risiken durch verschiedene Standbeine aus. So konnte die Genossenschaft gleichbleibende Umsätze mit Dünger und Pflanzenschutzmitteln erwirtschaften. Die Werkstätten, Raiffeisenmärkte und Tankstellen verzeichneten sogar positive Umsätze. So konnte die Generalversammlung eine Dividende von 2,5 Prozent für die Mitglieder beschließen.

Bislang mengenmäßig eher unbedeutend ist die Biosparte der VSE. Das könnte sich aber ändern. Welches Potenzial Bioware im Geschäft der Genossenschaft einnehmen könnte, lässt sie gerade von der Fachhochschule Kiel prüfen. Mit dem Wachsen der Ökoanbaufläche könnte dieses Standbein möglicherweise wachsen. Eine Konzentration auf weniger Standorte bedeutet nicht, dass die Geschäftsfelder weniger werden – im Gegenteil.

In Pilotprojekten will Hauser das Potenzial neuer Produkte für die 884 Mitglieder testen. Bereits gestartet ist ein Versuchsanbau von Tulpenzwiebeln an vier Standorten (AZ berichtete). Gerade heute entscheidet sich, ob auch Hanf – selbstverständlich drogenfrei – eine Option ist. Interessant sind die Fasern, die für verschiedene nachhaltige Produkte verwendet werden können. Auch ein Anbau von Kräutern für die Arzneimittelproduktion soll getestet werden.

Was diese unkonventionellen Vorhaben verbindet, ist der Versuch, mit neuen Anbauprodukten in Nischen höhere Preise für die Bauern und VSE zu erzielen. „Wenn Sie Massenprodukte haben, ist die Wertschöpfung klein. Der Biosektor macht es vor, dass man mehr verdienen kann mit kleiner Produktion“, erklärt Hauser. „Es eine unglaublich spannende Zeit in der Landwirtschaft, eine Chance.“

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