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Ebstorf: Tulpen als neue Einkommensquelle

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Eine Spezialmaschine bringt die Tulpenzwiebeln unter die Erde.
Mit einer Spezialmaschine werden die Tulpenzwiebeln in den Boden gebracht. Auf 1,6 Hektar Fläche ist das Pilotprojekt der VSE gestartet. © Privat

Eine ungewöhnliche Maschine war jetzt auf Äckern im Uelzener Kreisgebiet zu sehen. Der große Trichter erinnert an eine Kartoffelsetzmaschine, aber die Knollen werden ja erst im Frühjahr in den Boden gebracht.

Ebstorf – Und dann erinnern die breiten Dämme, die das landwirtschaftliche Gerät hinterlässt, eher an Spargelfelder. Die Vereinigten Saatzuchten Ebstorf (VSE) haben jetzt ein Pilotprojekt gestartet: Neben Getreide und Kartoffeln sollen zukünftig auch Tulpen auf den Feldern blühen und den Landwirten möglicherweise eine neue Einkommensquelle bescheren.

„Wir wollen unsere Mitglieder wirtschaftlich stärken. Deshalb versuchen wir, Produkte mit einer höheren Wertschöpftung zu finden“, sagt der neue Geschäftsführer Dr. Christoph Hauser. Dabei bieten sich aus seiner Sicht Tulpen und weitere Blumenzwiebeln an. „Das ist ein Produkt, das hochprofitabel ist. Das Lustige ist, für die Tulpen brauche ich die Anbautechnik wie für Kartoffeln und die Erntetechnik wie für Zwiebeln“, erklärt Hauser. Auch die typischen sandigen Böden der Heide eignen sich gut für den Anbau und erleichtern die Ernte. „Wir wollen ja saubere Zwiebeln haben“, betont Hauser.

Für den Versuch hat die VSE die Zwiebeln vor einigen Wochen auf insgesamt 1,6 Hektar Fläche, verteilt auf vier Standorte, in den Boden gebracht, darunter dem VSE-Betrieb in Bardenhagen, und gegen Wildschweine und Rehe eingezäunt. Drei verschiedene Sorten mit den klangvollen Namen „Orange Dream“, „Bright Side“ und „Antarctica Love“ wurden ausgewählt. „Wir testen, welche Arten passen hier“, sagt der Geschäftsführer. Mitarbeiter überprüfen in Abständen, wie sich die Zwiebeln sich entwickeln, denn bei positiven Bodentemperaturen wachsen bereits Wurzeln und der Spross bildet sich.

Blüten werden abgeschnitten, damit die Kraft in die Zwiebeln geht

Wo jetzt ein scheinbar toter Acker liegt, entstehen dann im nächsten Jahr blühende Landschaften. Allerdings will die VSE keine Schnittblumen ziehen, sondern die Blumenzwiebeln vermehren. Deshalb werden die Blüten im Frühling abgeschnitten. „Die Pflanze zieht dann alle Kraft aus den Blättern“, erklärt Hauser. Im Lager wird dann sortiert. „Die großen Zwiebeln gehen in den Handel, die kleinen und mittleren gehen in die Vermehrung.“

800 000 Zwiebeln pro Hektar erwartet die VSE. Die Blumenzwiebeln – später sollen Schneeglöckchen, Märzenbecher, Narzissen, Hyazinthen, Perlhyazinthen und Amaryllis folgen – werden an den Endverbraucher verkauft. Hier sieht Hauser den großen Vorteil, weil der Vertrieb über die Raiffeisenmärkte in der Region organisiert werden kann. „Den Zwischenhandel schalten wir aus.“

Bei dem Projekt lässt sich die VSE von zwei niederländischen Spezialisten unterstützen. Auch eine Studentin der Fachhochschule Kiel begleitet das Projekt. Ob die Idee am Ende für landwirtschaftliche Betriebe in Frage kommt, hängt auch von deren Arbeitsbelastung zu bestimmten Zeiten, von vorhandenen Geräten und Lagerraum ab. Die Flächen müssen aufwendig schädlingsfrei gehalten werden. Und beim Entfernen falscher Sorten auf den Feldern und beim Sortieren der Ernte ist Handarbeit gefragt. Weitere Pilotprojekte sollen folgen, kündigt Hauser an.

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