Entwurf: Hühnermist soll bei Ebstorfer Wasserwerk gelagert werden dürfen

Trockenkot im Schutzgebiet?

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Hühnertrockenkot, so sieht es ein Verordnungsentwurf für das Wasserschutzgebiet im Bereich des Ebstorfer Wasserwerks vor, soll an Feldrändern zwischengelagert werden dürfen.

Ebstorf/Landkreis. Die Kreisgruppe des Natuschutzbundes (NABU) macht Front gegen einen Verordnungsentwurf zum Wasserschutzgebiet im Bereich des Ebstorfer Wasserwerks.

Der Grund: Nach dem Entwurf soll es im Frühjahr möglich sein, bis zu sechs Wochen an Feldern im Wasserschutzgebiet Hühnertrockenkot zwischenzulagern. Für Karl-Heinz Köhler, Vorsitzender der Kreisgruppe, ist dies eine Regelung, die sich mit dem Gedanken des Grundwasserschutzes nicht vereinbaren lasse. „Gelagerter Hühnertrockenkot hat nichts im Wasserschutzgebiet zu suchen“, sagt er gestern der AZ. Zu befürchten sei, dass Krankheitserreger durch Regen aus dem Kot herausgewaschen werden und so ins Grundwasser gelangen könnten. Nicht nur der Umstand, dass eine Zwischenlagerung möglich sein soll, treibt Karl-Heinz Köhler um, sondern auch der Weg, wie besagter Passus in den Verordnungsentwurf kam. Denn, so Köhler, die Beschlussvorlage zum Wasserschutzgebiet, die dem Kreis-Umweltausschuss als Fachausschuss im November vorgelegt worden sei, habe diese Regelung noch nicht enthalten. Mehr noch: Der Landkreis habe sich seinerzeit für ein Lagerungsverbot von Hühnertrockenkot ausgesprochen.

Diese Beschlussvorlage fand aber im Ausschuss keine Mehrheit. Karl-Heinz Köhler, der dem Gremium als beratendes Mitglied angehört, berichtet, dass wegen der Interventionen zu dem Lagerungsverbot der Beschlussvorlage widersprochen worden sei. Unter anderem habe sich Hans-Heinrich Sackmann (CDU) geäußert. Der Kreistagsabgeordnete, selbst Landwirt, begründet auf Nachfrage, wieso eine Zwischenlagerung möglich sein sollte: „Bei einem Lagerungsverbot müsste der Kot von Lkws gleich auf die Verstreuer gepackt werden. Das lässt sich nur schwer organisieren“, sagt er. Außerdem: Womöglich werde der Kot angeliefert, wenn der Boden zum Ausbringen zu nass sei.

Er sehe keine Gefahr für das Grundwasser. „Ist der Kot abgedeckt, was ja Pflicht ist, kann nichts ausgewaschen werden“, meint Sackmann. Die im Umweltausschuss vorgebrachten Argumente führten dazu, dass dem Kreisausschuss wie auch heute dem Kreistag, der über die Verordnung zu befindet hat, ein überarbeiteter Entwurf vorlegt wurde – mit der Erlaubnis der Zwischenlagerung im Frühjahr. Die Regelungen zum Zeitpunkt und zur Dauer der Zwischenlagerung, so geht es aus der neuen Beschlussfassung hervor, stammt von Onno Seitz. Er ist Fachbereichsleiter Wasserschutz und Wasserwirtschaft bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Er erklärt, dass der neue Entwurf ein Kompromiss sei, der sowohl die Interessen der Umweltverbände als auch der Landwirte berücksichtige. Der Kreisausschuss billigte den Verordnungsentwurf bereits. Der Kreistag befasst sich heute ab 16.30 Uhr im Hotel „Deutsche Eiche“ in Veerßen mit der Verordnung.

Von Norman Reuter

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